Ein Auf Wiedersehen Besuch

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Eine letzte kleine Reise traten Charlotte und ich gemeinsam am 1.Juni an. Auch wenn es für bloß drei kurze Tage in ein kleines unbedeutendes Dorf gehen sollte, bedeutete mir dieser Ausflug doch sehr viel. Denn unser Ziel war Gbintiri (was ich im übrigen kaum so aussprechen kann wie es gedacht ist), dem neuen Heimatort von Amishetu, die ja vor kurzem geheiratet hat.

Gbintiri ist als eher abgeschnitten zu bezeichnen und so gibt es bloß an Markttagen Verbindungen in den von Nalerigu circa 3 Stunden Fahrt entfernten Ort.

So begann die Reise früh am Morgen mit einem auch auf dem Dach voll besetzten Trotro. Kaum hatte sich das Auto in Bewegung gesetzt fing es an zu stürmen und eine unheimliche Wand aus Staub baute sich um uns herum auf.

Es sah aus wie in dem Film „Interstellar“, einem Science Fiction Film in dem die Welt untergeht und sich eine Gruppe von Astronauten auf den Weg macht einen neuen Planeten zu finden. Und den ich im übrigen erst am Abend zuvor geschaut hatte. Das machte die Sache umso unheimlicher.

Im Gegensatz zu dem Film ließ allerdings auch der Regen nicht lange auf sich warten. Obwohl es nur kurz und auch nicht übermäßig heftig regnete begannen sich nun die Männer, die auf dem Dach saßen auch noch ins Trotro zu drängen. Jedem der einmal in einem voll besetzten Trotro gesessen hat muss ich nicht erklären, dass da eigentlich kein Platz mehr ist für noch mehr Menschen. War dann aber anscheinend doch. Ich muss wohl kaum beschreiben, dass es eine ungewöhnlich unbequeme Fahrt wurde.

Aber auch ein Trotro erreicht irgendwann sein Ziel. In Gbintiri angekommen gaben wir Amishetu bescheid, damit sie kommen und uns abholen konnte. Das erwies sich allerdings als gar nicht so einfach, da es in Gbintiri kein Netz meines Telefonanbieters gibt.

Schließlich jedoch standen wir vor Amishetus neuem zu Hause und bekamen schon bald ein Willkommensfrühstück.

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Der Compound in dem Amishetu und ihr Ehemann Amos leben besteht aus einem Lehmhaus mit Schlaf und Wohzimmer, einem mit zwei Schlafzimmern für drei Kinder, die bei ihnen wohnen, um in Gbintiri in die Schule zu gehen, einer weiteren Hütte und einem Hühnerstall, die den Innenhof einschließen.

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In diesem Innenhof spielt sich das hauptsächliche Leben ab. Hier wird auf Feuerstellen gekocht, gegessen und gelegentlich auch geschlafen. Vor dem Compound gibt es außerdem noch eine kleine Überdachung, unter der man gut Schutz vor der Sonne und mit ein bisschen Glück einen leichten Wind genießen kann.

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Wasser beziehen Amishetu und Amos aus einem Brunnen oder vom ein ordentliches Stück entfernt liegenden Fluss. Beide sind jedoch beinahe ausgetrocknet, so dass Wasser bald zu einem echten Problem werden könnte. Letztes Jahr um diese Zeit hatte die Regenzeit wohl schon längst begonnen und so machen die Farmer sich allmählich ernsthafte Sorgen um ihre Ernte. Und nicht nur die Farmer, auch so viele Familien, die sich durch ein kleines Feld ein wenig selbst versorgen können und denen diese Nahrungsquelle unter Umständen in den nächsten Jahren abhanden kommen wird.

Hier in Ghana bemerke ich die Folgen des Klimawandels um einiges heftiger, als ich sie in Deutschland jemals zu spüren bekommen habe. Es ist unglaublich wie arrogant wir doch in den Ländern des globalen Nordens leben, all das eigentlich am meisten von allen verursachen und selbst keinen feuchten Dreck darum geben, weil es uns selbst eigentlich nicht unmittelbar betrifft.

Klimawandel- natürlich ist dieses Wort in aller Munde. Aber es bleibt eben nur das – ein abstraktes Wort. Warum also sollte ich auf neue Handys, Computer, Autos verzichten? Warum sollte ich mit dem Fahrrad fahren? Warum sollte ich versuchen einigermaßen Umweltbewusst zu leben? Ich hab schon eine Ahnung davon, dass irgendwo in Afrika jede Minute ein Kind stirbt oder so. Aber nachdem ich kurz zwei Sekunden traurig gekuckt und den Kopf geschüttelt habe über diese schlechte Welt wende ich mich eben wieder meinem Konsumleben zu. Schön, dass es mir gut geht. Und im Grunde genommen, was kann ich denn als einzelne Person schon bewirken?

Aber eigentlich wollte ich garnicht darüber reden, eigentlich wollte ich von der wundervollen Zeit erzählen, die wir in diesen einfachen Verhältnissen hatten.

Amishetu hat sich riesig gefreut, dass wir sie besucht haben und uns mit offenen Armen willkommen geheißen, um alles mit uns zu teilen.

An diesem Mittag lernte ich also ghanischen Tomatenstew mit Reis zu kochen.

Anschließend liefen wir gemeinsam zum Markt, auf dem wir die Zutaten für unsere kommenden Mahlzeiten kauften. Nachdem wir so durch die Hitze gelaufen waren war ich unglaublich erschöpft und bin erstmal für zwei, drei Stunden eingeschlafen. Als ich endlich aufwachte war das Abendessen quasi schon fertig und so lernte ich nicht, wie Banku zubereitet wird. Das ist aber auch keine Schande, da es, um es einmal so auszudrücken, nicht gerade mein ghanaisches Lieblingsgericht ist.

Den nächsten Tag verbrachten wir ebenfalls in einer wundervollen Abwechslung aus kochen, Gesprächen, faulenzen und spazieren gehen. Am Abend lernte ich dann noch die Soße für eines meiner ghanaischen Lieblingsessen zu kochen – Fufu mit Lightsoup.

Fufu ist ein Kloß, der aus gestampftem Yam besteht und Lightsoup die Soße, die am häufigsten dazu gegessen wird. Sie besteht hauptsächlich aus Tomaten und Erdnüssen.

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Manche bevorzugen auch die Groundnutsoup, die eigentlich nur aus Erdnüssen besteht, aber die bevorzuge ich mit Riceballs, obwohl das immer ein ziemlich schweres Essen ist. Vielleicht heißt die Lightsoup deshalb ja auch so, weil sie im Gegensatz zu Groundnutsoup eben ziemlich leicht ist.

Der nächste Tag war bereits der Tag unserer Abreise, aber ein wundervoller Abschluss. Bei dem Gedanken daran, dass es wohlmöglich das Letzte mal war, dass ich Amishetu gesehen habe, werde ich ziemlich traurig, aber umso mehr bleiben mir diese Tage in teurer Erinnerung.

An unserem Letzten Tag in Gbintiri lernten wir also wie eine ghanaische Frau ihr Kopftuch bindet. Und die beste Art sich ein Tuch als Rockersatz um die Hüfte zu binden. Das war ziemlich lustig, vor allem als wir in diesem Aufzug durchs Dorf gingen, um Öl zu kaufen. Zwar läuft jede zweite ghanaische Frau so durch die Gegend, aber wenn die Ghanaer plötzlich Weiße sehen, die das übernehmen, finden sie das schon recht befremdlich.

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Das Kopftuch hat Amishetu uns gemeinsam mit einem Stoff dann sogar noch als Andenken geschenkt, so dass ich jedes Mal wenn ich Stoff oder Tuch benutze an sie denken werde.

Das Öl brauchten wir, um ein letztes ghanaisches Gericht kochen zu lernen. Diesmal stand Gobba auf dem Speiseplan. Gobba ist für mich das Gericht, dass ich am ehesten mit dem Waisenhaus verbinde, denn in der Gastfamilie wird es eigentlich nie zubereitet. Aber immer, wenn für die Kinder Gobba gemacht wird, kann ich nicht widerstehen auch einen Happen zu essen.

Und zubereitet ist es eigentlich auch ganz leicht. Blackeyed Beans, Sojabohnen und Mais werden zu gleichen teilen gemahlen und gemischt. Dann wird Wasser dazugegeben, um das ganze zu einem dicken Teig zu kneten. Gewürzt wird der Teig mit Salz und Pepper.

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Danach werden Blätter in Wasser gekocht, die darin zu Boden sinken, wenn man den Teig in Bällen auf die Blätter legt. Die Blätter verhindern so, dass die Gobbabälle an dem Topf kleben bleiben, während sie in dem heißen Wasser kochen. Dazu kann man einfach nur etwas Öl oder aber Tomatenstew essen. Köstlich!

Danach war es auch schon Zeit nach dem Trotro Ausschau zu halten, dass von dem Markt in einem anliegenden Dorf nach Nalerigu durch Gbintiri kam. Es ließ auf sich warten. 3 Stunden. Aber das ist schließlich nichts Neues. Das wichtigste ist, dass es eine wundervolle Zeit in Gbintiri war, die ich nicht so schnell vergessen werde und von der ich viel mitnehmen kann.

Wenn ich daran zurück denke komme ich nicht umhin Amishetu und all die Menschen zu bewundern und wiedereinmal zu realisieren wie verwöhnt ich bin. Aber trotzdem muss ich zugeben, dass ich nach diesen Tagen froh war wieder eine richtige Dusche zu haben und meine Notdurft nicht mehr auf dem Feld hinter dem Haus verrichten zu müssen. Und auch Amishetu hat es verglichen zu anderen Menschen noch unglaublich gut. Wie kann ich meinen eigenen Lebensstil mit diesem Wissen eigentlich mit mir selbst vereinbaren?

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Voltawunder

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Als erstes einmal ein kleiner Nachtrag zu meinem letzten Eintrag: Mein Pulli ist schon seit einiger Zeit fertig! Das Design des Stoffes ist finde ich wunderschön, auch wenn es dadurch garnicht so einfach war es richtig zu nähen.

(Mit einem Doppelklick könnt ihr die Fotos übrigens auch vergrößern)

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Nun aber zu meinem lang versprochenen Bericht über meine Reise quer über den Voltasee. Ich habe lange überlegt und gezögert, bevor ich diese letzte Reise antrat, doch im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass ich dann doch beschloss mich allein auf den Weg zu machen.

Das erste Wegstück musste ich sogar garnicht allein zurücklegen, denn Joyce wollte mit ihrer Familie ebenfalls nach Tamale fahren und das zufälligerweise eben an dem Morgen, an dem auch ich den Beginn meiner Fahrt geplant hatte. So saß ich auf dem 3stündigen Weg nach Tamale in einem bequemen Auto, statt in einem engen Trotro. Das Joyce Familie ein Auto hat ist hier in Ghana ein absoluter Luxus und zeigt, dass sie zu den gut situierten des Dorfes gehören. Zwar wurde die Fahrt sehr windig, da die Fensterscheibe der Beifahrerseite nicht vorhanden ist und erst am Ziel repariert werden konnte, aber dennoch war es eine angenehme und fröhliche Fahrt.

Auf dem Weg zum Abfahrthafen der Yapei Queen, die mich über den Voltastausee bis hinunter nach Akosombe bringen sollte, war mein erster Zwischenhalt Salaga. Bevor ich mich von Joyce verabschiedete half sie mir das richtige Trotro zu finden und schon bald saß ich in einem engen, ruckelnden Wagen auf dem Weg in den kleinen Ort.

Schon auf dem Weg merkte ich, dass wir uns so langsam auf den Voltasee zubewegten, denn die Landschaft wurde zusehens grüner. Nach dem trocknen Staub, der in Nalerigu noch immer die Oberhand hat, obwohl die Regenzeit schon längst hätte beginnen sollen, war das eine mehr als willkommene Abwechslung.

In Salaga angekommen, fand ich beim dritten Hostel schließlich ein Zimmer, um mich von dem ersten Tag meiner Reise auszuruhen.

Vorher allerdings lieh mir eine Mitarbeiterin des Hostel netterweise noch ihr Fahrrad aus, so dass ich mich ein wenig in Salaga umschauen konnte, um anschließend im Restaurante des Hostel Fufu mit Lightsoup zu genießen.

Fufu ist eine Art Kloß, der aus gestampftem Yam geformt wird. Yam könnte man wohl am ehesten mit Kartoffeln vergleichen, obwohl die Yamwurzeln gut Unterarm lang und sehr dick sind.

Am nächsten Morgen machte ich mich schon früh auf den Weg nach Makongo, wo ich auf die andere Seite des Voltasees, nach Yeji übersetzten wollte.

Nachdem ich mein Ticket gekauft hatte und darauf wartete, dass sich das Trotro langsam füllte, gönnte ich mir eines der typisch ghanaischen Straßenfrühstücke: Brot und Ei in der Pfanne gebraten und einen Kakao aus der Plastiktüte.

Wenn mich in Deutschland also einmal eine Sehnsucht nach ghanaischer Küche überkommen sollte, wäre Kakao aus der Plastiktüte wohl am schnellsten zubereitet.

Die Straße nach Makongo war eine der am schlechtesten ausgebauten Straßen, die ich in Ghana bisher erlebt habe. Als wir ankamen kam ich mir vor, als hätte ich in Staub gebadet. Der Ausblick über die Ausläufer des Voltasees machten das allerdings wieder gut.

Nach einer weiteren Wartezeit kam schließlich das Boot, das mich und etliche Andere übersetzen sollte. Erwartet hatte ich eine kleine Autofähre, wodurch ich beim Anblick des Einbaums ein wenig überrascht war.

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Der Voltastausee wurde 1961 geschaffen. In Anbetracht der Tatsache, dass er so schon seit über 50 Jahre besteht, war ich etwas verwundert darüber, dass in der Mitte des Sees noch immer etliche Baustümpfe aus dem Wasser ragen. Die scheinen froh über diese Tatsache zu sein und nutzen sie nur allzu gerne zum Spannen ihrer Netzte.

Auch der Rest des Landes profitiert von diesem See, denn sein Wasser wird genutzt, um Ghana mit Strom zu versorgen. Da in der Trockenzeit Wasserknappheit herrscht und dadurch nur begrenzt Elektrizität zur Verfügung steht werden die Regionen nacheinander vom Stromnetzt abgeschnitten. Dadurch hatten wir in Nalerigu für eine lange Zeit den Rhythmus 12 Stunden Strom an, 24 Stunden Strom aus, 12 Stunden Strom an. Das kann zwar mitunter sehr nervig sein, aber wenigstens kann man sich so darauf einstellen und wird von dem „Light off“, wie es hier genannt wird, nicht überrascht.

Auf der anderern Seite in Yeji angekommen, musste ich mich auf eine lange Wartezeit vorbereiten. Ich kam schon am frühen Vormittag dort an, doch das Schiff wurde erst am späten Nachmittag erwartet. Ein Mitpassagier des Einbaums machte mich jedoch mit einigen Brotverkäufern bekannt, zu denen ich mich nun also gesellen konnte.

Es wurde ein interessanter Tag, an dem ich etliche Heiratsanträge abwehren musste. Zum Glück hatte ich mir nicht lange vorher einen falschen Ehering zugelegt. Dieser half. Warf allerdings auch etliche Fragen auf, die ich so gut wie möglich mit zusammen geschusterten Lügen beantwortete. Häufig kam die Frage, ob ich denn schon Kinder hätte. Wie ich meinen Ehemann für so lange Zeit den allein lassen könne. Ob er das gut heißen würde. Hier in Ghana ist es übrigens garnichts ungewöhnliches mit 20 schon verheiratet zu sein. Wen eine Frau erst mit 26 heiratet wird das als sehr spät angesehen.

Dann kam natürlich auch die Frage danach, ob ich nicht bei der Einreise nach Deutschland helfen könne. Dabei haben die Menschen meiner Meinung nach oft ein völlig undefiniertes Bild davon, was sie in Deutschland erwartet. Auf jeden Fall etwas besseres ist dabei der Grundtenor. Dass es auch in Deutschland Armut und Arbeitslosigkeit gibt, dass ein Führerschein einen nicht direkt zum Taxi oder Busfahrer macht, dass man keineswegs einfach etwas backen und auf der Straße verkaufen kann, wie hier in Ghana, darüber machen sich die Menschen keine Gedanken. Wie sollen sie es auch wissen können?

Der Satz der bei dieses Gesprächen am eindrucksvollsten bei mir hängen geblieben ist war: „…aber du bist doch eine Weiße, du kannst mir doch einen Pass ausstellen.“ Diese Antwort bekam ich auf meine Aussage, dass ich nicht dabei helfen könne ein Visum nach Deutschland zu bekommen und schon gar keinen Pass abstempeln.

Diese Antwort zeigt mir auch wieder einmal für wie absurd überlegen die Weißen manchmal angesehen werden.

Eine Geschichte lautet beispielsweise:

Als Gott die Welt erschuf befahl er den Menschen die Augen zu schließen, damit sie nicht sahen, was er tat. Der weiße Mann jedoch gehorchte nicht und hielt sich die Finger vor die Augen, während er mit den Augen blinzelte. So konnte er sich abschauen, wie Gott etwas erschuf, wodurch er diese Fähigkeit noch immer besitzt. Im Gegensatz zum schwarzen Mann, der nichts Neues erschaffen kann.

Mit dieser Geschichte sind Dinge wie Flugzeuge, Schiffe, Autos gemeint.

Wenn ich solche Geschichten zu Ohren bekomme bin ich manchmal sprachlos.

Einmal hat mich eines der Kinder im Waisenhaus auch gefragt: „Warum kommt der Weinhnachtsmann nicht zu uns nach Afrika? Mag der uns etwas nicht?“ Ich stand vollkommen sprachlos da und wusste nicht was ich sagen sollte.

Solche Dinge bekommt man also unter anderem mit, wenn man einen Tag an einem ghanaischen Hafen sitzt und sich mit den Menschen unterhält.

Allmählich wurde es dunkel und so langsam machte ich mir ernsthafte Sorgen darüber, wann das Schiff endlich ankommen würde.

Die Leute waren zwar hilfsbereit, aber dennoch fühlte ich mich in der Dunkelheit etwa einsam und verloren. So war ich sehr erleichtert als das Schiff um 12 Uhr nachts endlich einlief und ich an Deck gehen konnte. Die erste halbe Nacht an Bord war wohl die schlafloseste Nacht die ich in Ghana bisher erlebt habe. Die Yapei Queen besteht im Grunde aus einer Fläche für Transportgut und Autos, zwei großen Gemeinschaftsräumen, dem Deck und ein paar Kojen für die Besatzung. Passagiere schlafen also in den Gemeinschaftsräumen. Genau das tat ich also auch. Versuchte es zumindest. Die Bänke waren belegt, so dass ich mich nicht auf einer ausstrecken konnte. So legte ich mich auf den harten umd kalten Boden. Eine recht unbequeme Angelegenheit, trotz meiner Regenjacke und des Stoffes, den ich auf dem Boden ausbreitete.

Aber auch diese Nacht ging vorüber und am nächsten Morgen genoss ich wieder einmal ein typisch ghanaisches Frühstück und die Gesellschaft meiner Mitreisenden.

An diesem ersten Tag meiner Reise genoss ich viel die Ruhe an Deck. Erstaunlicherweise war es hier wie leergefegt, obwohl es hier doch die beste Aussicht gab. Im Gegensatz zu dem lauten Fernsehgedröhne und Kindergeschrei im Gemeinschaftsraum war es hier angenehm still und ein leichter Wind ging.

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An diesem Tag machten wir mehrer Stops in kleinen Orten entlang des Sees. Der erste Halt war recht kurz, einige Passagiere verließen das Schiff, einige kamen hinzu.

Am nächsten Ort hielten wir für eine ziemlich lange Weile, ich glaube es waren 3 bis vier Stunden, während denen Jam auf das Schiff geladen wurde. Es war unglaublich zu sehen mit welcher Ausdauer die Frauen, Männer und Jungen in der Hitze arbeiteten. Die Frauen brachten den Yam in großen Schüsseln an Bord und die Männer und Jungen stapelten ihn in große Kisten.

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Andere Kinder verkauften Getränke und Essen, manche kamen an Bord, um sich den Film im TV anzuschauen oder einfach, um die Gemeinschaftsräume und das Schiff zu sehen.

Mit einem Mädchen, dass ihre Großmutter in Yeji besucht hatte saß ich da, unterhielt mich mit ihr und beobachtete das Treiben.

An Deck fand ich zwischendurch von alldem ein bisschen Ruhe.

Obwohl ich auch hier wiedereinmal einen Heiratsantrag bekam, zum Glück von einem Mann, der sich das Schiff bloß anschaute und von Bord ging, als die Fähre sich nach einem Halt wieder in Gang setzte.

Die Crew stellte mir außerdem wieder viele Fragen über meinen Ehering und waren auch sonst sehr hilsbereit und meinten ich solle doch an Deck schlafen, statt im Gemeinschaftsraum.

So beschloss ich in dieser Nacht auf einer der Bänke dort zu schlafen. Das war zwar genauso hart, aber weniger kalt und stickig.

Hier konnte ich den Sonnenuntergang, den wundervollen nächtlichen Sternenhimmel und den Sonnenaufgang bewundern. Fantastisch.

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Am nächsten Tag machte ich nähere Bekannschaft mit der 10-jährigen Tochter Whitney eines Crewmitgliedes. Da gerade Ferien waren war sie mit an Bord gekommen, um ihrer Mutter und Großmutter zur Hand zu gehen. Sie zeigte mir verschiedene ghanaische Spiele, Reime, brachte mir die Zahlen von 1 bis 10 in ihrer lokalen Sprache bei (dessen Name ich leider schon wieder vergessen habe), flocht meine Haare und fragte mich allerlei über Deutschland aus.

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Ein wundervoller Moment an diesem Tag war, als wir an einer Insel im Voltasee vorbeifuhren von der ein Schwarm Schmetterlinge herüber geflogen kam und plötzlich das Boot umflatterten. Ich fühlte mich wie in einem Märchenfilm. Ein fantastischer Augenblick!

Von diesen Inseln kamen allerdings nicht bloße schöne Schmetterling, sondern auch zwei viel zu große Bremsen, von denen eine mich fast ins Bein biss. Zum Glück warnte eine Frau mich noch rechtzeitig und so ist es nur ein kleinen wenig angeschwollen.

Um circa 8 Uhr abends erreichten wir unser Ziel Akosombo.

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Da es allerdings schon stockdunkel war und die Crew mir anbot noch an Deck zu bleiben, machte ich mich an diesem Abend noch nicht auf nach Akosombo, sondern verbrachte eine weitere Nacht auf der harten Bank.

Am nächsten Morgen nahmen mich Whitney und ihre Familie mit nach Akosombo, das ein Stück entfernt vom Hafen liegt, und brachten mich dort sogar noch zu einem Hostel. Dort angekommen verbrachte ich den Tag mit faulenzen und schlafen. Es ist unglaublich wie sehr ich plötzlich eine saubere ordentliche Dusche und eine anständige Matratze zu würdigen wusste.

Auf dem Markt kaufte ich mir schließlich noch etwas Obst und ausnahmsweise Schmierkäse (ich hab mich also richtig verwöhnt), um es mit dem Dosengraubrot zu essen, dass meine Geschwister mir mitgebracht hatten und das ich mir bisher aufgehoben hatte.

Mit diesem Tag war mein Urlaub auch schon fast wieder zu Ende. Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Accra, um dort ein unglaublich leeres Flugzeug hoch nach Tamale zu nehmen. In Tamale verbrachte ich dann noch zwei Nächte, einfach um noch etwas über Markt und Kulturmarkt zu streifen und noch für eine Weile etwas anderes zu sehen.

Was bin ich froh, dass ich diese Reise unternommen habe und so viele neue Dinge sehen und lernen konnte.

Ein großer Tag

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Ein großer Tag

Wie ich schon in meinem vorherigen Eintrag verraten habe, gab es am 2.Mai eine Hochzeit zu feiern. Amishetu, eine Freundin und nun leider ehemalige Mitarbeiterin im Waisenhaus, plante ihre Hochzeit schon seit einiger Zeit. So war es natürlich keine Überraschung, dass sie Nalerigu verließ, um im Dof ihres Ehemannes zu leben, und dennoch muss ich mich nun erst einmal daran gewöhnen.

Eine ghanaische Hochzeit stand also bevor. Für mich war es zwar bereits die Dritte, bei der ich anwesend sein durfte, aber die erste bei der ich mit dem Brautpaar in persönlicher Verbindung stand. Nicht nur Amishetu war in den Wochen vor ihrer Hochzeit sehr beschäftigt, sondern auch bei uns im Waisenhaus liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, denn Amishetu hatte es sich gewünscht, dass die Kinder auf ihrer Hochzeit ein Lied singen würden. Schon zuvor hatten wir einige Male mit den Kindern, auch im Gottesdienst, gesungen, und so war es für sie nichts vollkommen Neues als kleiner Chor aufzutreten. Um einiges aufregender war es allerdings schon bei einer so wichtigen Feier singen zu dürfen und so wurde zunächst viel über die Auswahl der Lieder gestritten. Am Ende standen zwei Lieder fest mit denen sich alle zufrieden geben konnten.

Der Favorit aller war dabei eindeutig folgendes Lied:

The good Lord saw that it wasn`t good,

it wasn`t good,

it wasn`t good,

for Amos to be alone,

so he made up,

he made up,

he made up,

Elizabeth for them to be one.

So what the Lord has joined toghether,

let no man to put ascendent,

what the Lord has joined together,

let no man part.

Zu Erklärung muss hier wohl noch folgendes gesagt werden: In Ghana ist es nicht ungewöhnlich zwei verschiedene Namen, das heißt einen englischen beziehungsweise christlichen und einen ghanaischen Namen zu haben. So kommt es, dass Amishetu auf ihrer Hochzeit mit ihrem englischen Namen Elizabeth angesprochen wurde. Der Name ihres Ehemannes ist, wie ihr sicherlich schon erraten habt Amos.

In fleißiger Vorbereitung studierten wir nun also die ausgewählten Lieder ein, um am großen Tag einen Auftritt hinzulegen, der sich sehen lassen kann.

Das waren aber natürlich nicht die einzigen Vorbereitungen, die zu treffen waren.
Wie ich bereits erwähnt habe, hatte ich die unglaubliche Ehre an Amishetus Hochzeitskleid mitzuarbeiten, während ich bei Joyce war. Ich will nicht behaupten, dass es alles reibungslos verlief, denn auf dem Weg zum perfekten Kleid wurden etliche Entscheidungen über den Haufen geworfen und Änderungen vorgenommen. Aber am Ende war das Kleid fertig und ich voller Stolz darüber einen Anteil geleistet zu haben.

Nun brauchte ich selbst allerdings noch ein passendes Kleid. Wunderbarerweise gibt es in Ghana die Tradition, dass das Brautpaar einen Stoff aussucht, aus dem sich die Hochzeitsgäste dann etwas schneidern lassen können. Diesen Stoff besorgte ich mir also und Joyce nähte ein Kleid für mich.

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Diesen Stoff hätte ich selbst mir zwar nicht unbedingt ausgesucht, aber es ist doch schon eine ganz witzige Sache mit etlichen anderen Hochzeitsgästen das Outfit zu teilen. In Deutschland wäre das wohl etwas, dass es unbedingt zu vermeiden gilt: Zwei (oder in diesem Fall unzählige) gleiche Kleider auf der gleichen Hochzeit, aber hier in Ghana ist das besonders wünschenswert.

Dieses Kleid wird mich nun also immer an diesen besonderen Tag erinnern.

Eine Zeit lang zerbrach ich mir außerdem den Kopf über ein passendes Geschenk für Amishetu. Am Ende entschied ich mich schließlich für einen Stoff, Ohrringe und ein Armband, über die sich Amishetu zum Glück riesig freute.

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Der große Tag kam und nachdem ich selbst in meinem Kleid steckte durfte ich dabei anwesend sein wie Amishetu für den großen Tag herausgeputzt wurde.

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Wie ich schon einige Male erwähnt habe spielt die Zeit oder Pünktlichkeit in Ghana eine eher untergeordnete Rolle. Da wartet man schon mal 6 Stunden auf einen Bus, steckt 3 Stunden im stehenden Trotro fest oder wartet eben auf die Braut.

Um 9:30, als der Gottesdienst eigentlich beginnen sollte, saßen Braut und Brautjungfern noch immer im Schlafanzug plaudernd herum. Schließlich setzte sich so langsam alles in Bewegung, als endlich die Friseuse auftauchte und schließlich auch Joyce eintraf, die für Kleider und Schminke zuständig war.

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Im folgenden entstand ein ziemliches hin und her, aber am Ende war alles wie es sein sollte. Bevor wir uns aber auf den Weg machten fand noch ein kleines Ritual statt. Der Braut wurde ihr Schleier und ein kleines Krönchen aufgesetzt, während ein Gebet gesprochen wurde. Ein wohl recht wichtiger Moment an diesem Tag.

Mit einiger Verspätung setzten wir uns schließlich in die Autos, die uns zum Schauplatz des Ganzen brachten. Dort angekommen hatte sich bereits, wie schon zu erwarten, eine Menschenmenge versammelt und die Zeremonie konnte sofort losgehen.

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Wie es in Ghana nicht ungewöhnlich ist ging es während des Gottesdienstes hoch her. Es wurde aus vollen Lungen gesungen und eifrig getanzt.

Manchmal möchte ich fast sagen eine Gottesdienst ist in Ghana eher eine kleine Party, während der Gott gepriesen wird. Nirgendwo sonst habe ich Menschen mit solcher Motivation Kirchenlieder singen hören. Schon die ganz kleinen tanzen dabei durch die gesamte Kirche und bewegen sich zu den Rhytmischen Takten der Band, die meist aus Trommeln, Schlagzeug, E-Gitarren und Keyboard besteht.

Nachdem zwei, drei andere Gruppen ihre Lieder zum Besten gegeben hatten kam auch unser großer Moment – und war genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen war. Aber es war wundervoll mit den Kindern vor all diesen Menschen zu singen, von denen nicht wenige aufstanden und zu unserer Musik tanzten. Die wochenlangen Proben hatten sich gelohnt und so wurde unser Auftritt ein schönes Hochzeits- und Abschiedsgeschenk für Amishetu.

Im Grunde waren die Feierlichkeit damit beendet. Auf anderen Hochzeiten hatte ich schon mitbekommen, dass es nach der Vermählung keine weitere Feier gibt. Der Gottesdienst an sich ist die Feier. Es ist lediglich üblich den Hochzeitsgästen in Plastiktüten verpacktes Essen mit auf den Weg zu geben, dass sie dann zu Hause essen können. Ganz anders als in Deutschland setzt man sich hier nicht nach der Messe noch zusammen, um weiter zu feiern.

An diesem Tag sah ich Amishetu deshalb nicht noch einmal. Am nächsten Morgen jedoch, einem Sonntag, fand der Dankesgottesdienst statt den auch ich besuchte. Im Anschluss daran lud Amishetu mich noch zu sich ein.

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Es folgte ein wunderbares Zusammensitzen und Mittagessen. Als wir uns schließlich für unbestimmte Zeit verabschiedeten, lud Amishetu mich zum wiederholten Mal auf ein Besuch in ihr neues Heim ein. Dieser muss nun also geplant werden, denn weil ihr Ehemann Pastor in einem anderen Dorf ist, leben die beiden nicht in Nalerigu, sondern in dem wohl ungefähr 2 Stunden entfernten Gbintiri.

Ich bin wirklich glücklich darüber diese beiden Tage erlebt zu haben, obwohl ich Amishetu natürlich vermisse!

Neuer Alltag

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Da bin ich wieder, frisch zurückgekehrt von meiner wunderbaren Reise über den Voltasee. Aber dazu später mehr.
Nun wie versprochen erst einmal ein wenig Geplauder aus meinem Alltag in Nalerigu.
Denn das ein oder andere hat sich ein wenig verändert.

Wie ihr ja wisst unterrichte ich eine 3.Grundschulklasse des Miracle Brain School Complex in Mathematik. Auch wenn die Mädchen und vorallem die Jungen manchmal gar nicht so leicht zu bändigen sind und mich an manchen Tagen schlicht zur Weißglut treiben, habe ich die Kinder inzwischen richtig in mein Herz geschlossen. Da freue ich mich wirklich, wenn ich auf meinen Fahrrad oder dem Markt unterwegs bin und eines der Kinder ruft mir freudestrahlend „Madame Teresa“ zu. Nun, inzwischen bin ich nicht mehr nur Madame der Primary 3B, sondern auch Madame im Kindergarten.
Denn vor einiger Zeit habe ich einfach mal nachgefragt, ob ich nicht ein wenig im Kindergarten helfen könnte und Madame Mary und Quinn, die für die Kleinsten zuständig sind haben mich mit offenen Armen aufgenommen.
Der Kindergarten ist ein einfacher Raum, mit einigen Bildern, dem Abc und den Zahlen von 1 bis 30 an der Wand. Auf dem Boden liegen zwei Schilfmatten, auf denen die über 100 Kinder während kleinen Einheiten sitzen können. Außer zwei an die Wände gerückte Tische zum Ablegen von mitgebrachten Pausenbroten und einer Bank ist der Raum leer.
Schon allein diese Beschreibung macht wohl allzu deutlich, dass Kindergarten hier in Ghana etwas gänzlich anderes bedeutet, als Kindergarten in Deutschland. Ich habe meine Kindergartenzeit so ungefähr als eine einzige Anhäufung von Spaß und Spielen in Erinnerung. Es gab Brettspiele, Kartenspiele, Bauklötze, Malblöcke, einen Spielplatz mit Klettergerüst, Rutsch und Schaukeln und allerlei andere Spielsachen. Eben so ungefähr alles was ein Kinderherz begehrt. Das Geld für all diese Dinge ist hier in Nalerigu schlicht nicht vorhanden und so finden vollkommen andere Aktivitäten statt.
Die Kinder lernen bereits im Kindergarten das Abc auswendig und zählen im Chor bis 20. Die Bilder an der Wänden werden dazu benutzt in der angegebenen Reihenfolge die Namen der gemalten Objekte zu nennen. An manchen Tagen werden einzelne Kinder vor die Klasse gestellt, nennen ihren Namen, die Namen ihrer Eltern, ihren Wohnort und den Namen ihrer Schule, um dann ein selbst ausgewähltes Gedicht oder Lied vorzutragen.
Wie ihr schon merkt wird nicht nur in der Schule, sondern schon im Kindergarten das auswendig lernen groß geschrieben. So habe ich oft das Gefühl, dass die Kinder den Sinn dessen, was sie gerade sagen eigentlich gar nicht richtig verstehen. Zumal viele von ihnen noch gar kein Englisch, sondern bloß die Sprache des Stammes, der in Nalerigu an der Macht ist – die Mamprusi. Beispielsweise passiert es manchmal, dass die Kinder auf bestimmte Fragen die falschen Antworten geben. So zum Beispiel: Welche Schule besuchst du? Ich wohne in Nalerigu.
Solche Dinge lassen mich an dem ghanaischen Schulsystem stark zweifeln.
Während meiner Stunden im Kindergarten versuche ich also neue Anregungen zu geben. Manchmal lese ich den Kindern eine kurze Geschichte vor, etwas das für sie vollkommen neu ist und dadurch auch meist sehr unruhig von statten geht. Was natürlich auch durch die Sprachprobleme bedingt wird. Aber vielleicht bessert es sich mit der Zeit. Oder ich singe ein Lied oder spiele verschiedene Spiele, für die man kein Material, sondern bloß viel Motivation und Energie braucht. Und davon haben die Kinder reichlich.
In den Pausen helfe ich außerdem das Essen zu verteilen und den Kindern aus der riesigen Regentonne vor dem Gebäude Wasser zu geben. Diese Tonne wird allmorgentlich mit Wasser gefüllt, was wirklich eine gute Sache ist, denn trotz der bis zu 45 Grad und langen Schulwegen bringen nur wenige Kinder ihre eigenen Flaschen mit.
Ich bin gespannt wie die Situation im Kindergarten sich weiterentwickelt und hoffe natürlich, dass die Erzieherinnen einige von meinen Ideen in Erinnerung behalten und weiterführen werden. Oder -wer weiß- vielleicht hat auch einer der nächsten Freiwilligen Lust an die Arbeit im Kindergarten anzuknüpfen, um auch dort kleine Schritte der Entwicklung zu bewirken.

Die zweite große Veränderung in meinem alltäglichen Leben hat sich außerhalb meiner Einsatzstellen ergeben. Einige von euch wissen vielleicht, dass ich viel Spaß am Nähen und Gestalten habe. Nun, ab jetzt lerne ich ein wenig nach Schnittmustern und Maß zu nähen, denn meine Beinahe-Nachbarin Joyce betreibt im vorderen Teil ihres Hauses eine kleine Schneiderei und hat zu meinem Glück etwas Zeit mich unter ihre Fittiche zu nehmen.

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So kommt es, dass ich nun fleißig Hosen, Röcke und Oberteile nähe. Und das mit einer Nähmaschine, von der ich nicht gedacht hätte, dass ich lernen könnte mit ihr umzugehen. Die Nähmaschine, die ich benutze ist ein eher altmodisches Model, dass mit der rechten Hand angekurbelt wird. Das heißt ich habe nur eine Hand frei, um den Stoff unter der Nadel an die richtige Stelle zu schieben.

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Aber wie sich herausstellt ist die Arbeit mit dieser Nähmaschine viel leichter als gedacht und sogar unglaublich praktisch, da ich so auch bei Stromausfall nähen kann. Und Stromausfall kommt hier schließlich alles andere als selten vor.

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Nachdem ich nun die Schnitte gelernt habe, lässt Joyce mich sogar dabei helfen für ihre Kunden zu nähen. Darauf bin ich natürlich besonders stolz, ist es doch ein großer Vertrauensbeweis mir und meiner Arbeit gegenüber.
Wundervollerweise bekam ich dadurch auch die Gelegenheit an dem Hochzeitskleid meiner Freundin und Mitarbeiterin im Waisenhaus, Amishetu, mitzuarbeiten. Leider ist Amishetu durch ihre Heirat nun aus Nalerigu weggezogen und ich und die Kinder vermissen sie, aber ich wünsche ihr natürlich das größte Glück und plane auch bereits einen Besuch bei ihr.
Was meine Nähambitionen angeht: Ich bin wirklich froh bei Joyce arbeiten zu können. Immer wenn ich Lust habe, das heißt so ungefähr jeden Tag, kann ich einfach bei ihr auflaufen und etwas lernen, mit ihr und ihren Kindern lachen und mich schlichtweg wohl und willkommen fühlen.
Sehr gespannt bin ich nun auf die Ergebnisse meines nächsten Projekts: einen Kapuzenpulli nähen. Drückt mir die Daumen.

Vertrautes in der Fremde

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Endlich, endlich, endlich melde ich mich wieder einmal und berichte euch ein wenig von dem, was hier im fernen Ghana so alles vor sich gegangen ist.

Mein bisher längstes Reiseabenteuer begann am 22. Februar, einem wundervollen Tag, denn an diesem machte ich mich auf den Weg nach Accra, um dort meine beiden wunderbarsten Geschwister zu treffen. Erst am 16. März sollte es für die beiden wieder nach Deutschland gehen, das hieß, 3 fantastische und mit Plänen vollgestopfte Wochen lagen vor uns. In dieser Zeit erlebten wir so unglaublich viel, dass ich sicherlich nicht all unsere Erlebnisse hier beschreiben kann.

Unser Abenteuer begann in der Hauptstadt Ghanas, Accra. Denn hier gibt es den einzigen internationalen Flughafen des Landes. Ungünstigerweise fiel ein Seminar, an dem ich teilnahm ausgerechnet in die Woche, in der meine Geschwister anreisten und so landeten meine die beiden schon bevor ich überhaupt auf dem Weg nach Accra war. Ich muss zugeben, dass ich mir während der halben Woche, die sie allein in Accra verbrachten schon ein wenig Sorgen um die beiden machte und sie ständig anrufen wollte, um sicherzugehen, dass sie sich zurecht fanden. Aber die beiden meisterten die Tage wundervoll, obwohl wir alle froh waren, als ich mich endlich auf den Weg machen konnte.

Es war unglaublich unwirklich, aber wunderschön die beiden in die Arme zu schließen und zu wissen, dass 3 reisefreudige Wochen vor uns lagen.

Lange hielten wir uns in Accra nicht mehr auf. Diese Stadt hat auf mich eine merkwürdig beunruhigende Wirkung. Hektik, Hitze, Chaos und kaum einmal ein Ort, an den man sich zurückziehen kann, da stimmten auch Anni und Leo mit mir überein.

So also flüchteten wir schon bald aus dieser Megastadt in ein weit ruhigeres Nest weiter westlich der Küste Ghanas – Cape Coast.

In einem früheren Blogeintrag habe ich bereits über Cape Coast und seine Sklavenburg berichtet. Diese besichtigte ich auch nun noch einmal mit meinen Geschwistern. Und obwohl ich die Führung ja schon einmal mitgemacht hatte, war sie im zweiten Durchlauf um keinen Deut weniger schockierend. Viel eher würde ich sagen, dass ich die Informationen um einiges intensiver aufnehmen konnte, da ich schon ungefähr den Inhalt des Gesagten kannte und mich nicht mehr so stark auf den Akzent des Führers konzentrieren musste.

Wie eine tägliche Mahnung thront die Sklavenburg über Cape Coast, unseren Aufenthalt konnten wir trotzdem in vollen Zügen genießen. Strandspaziergänge, Kartenspiele, gemeinsames Lesen (unumgänglich bei drei Menschen und bloß einem Buch), leckeres Essen und entspannende Stunden standen auf dem Programm.

Aber bevor wir weiter konnten, mussten wir natürlich noch eines sehen: den Kakum Nationalpark. In diesem Park sind Hängebrücken hoch zwischen den Wipfeln der Bäume gespannt, über die sich der mutige Besucher durch den Wald arbeiten kann.

Zu unserem Unglück war es anscheinend der Ausflugstag aller umliegenden Schulen, so dass das ganze keine ruhige, magische Atmosphäre, sondern eine lärmend, chaotische hatte. Aufregend war es trotzdem und wir genossen unseren Spaziergang zwischen Erde und Himmel sehr.

Bald sollte es allerdings schon in einen abgelegenen kleinen Ort an der Westküste Ghanas gehen, nach Busua.

Busua

Hier verbrachten wir ruhige Tage, fernab von Großstadthektik, Marktgetummel und Trotrogehupe. Tag und Nacht konnten wir dort das Grollen und Schwappen des Meeres genießen, denn unsere Unterkunft war ein nettes, kleines Hostel direkt am Meer. Es war wirklich ein Traum am Strand zu Frühstücken und Abend zu essen und zwischendurch einfach nur das Meer zu genießen, zu baden, zu dösen, zu lesen, Karten zu spiele… Aber natürlich konnten wir nicht die ganze Zeit einfach bloß faulenzen und so machten wir uns an einem dieser Tage, bepackt mit einer Unmenge von Trinkwasser, auf den Weg in das benachbarte Butre.

Busua2

3 km entfernt sollte es liegen und nach einem langen Strandspaziergang und der anstrengenden Besteigung eines Hügels gelangten wir in das malerische Fischerdorf, wo der Fluß Butre ins Meer mündet.

Lange mussten wir nicht warte, bis unsere geplante Kanufahrt über den Fluß begann. Mit einem Führer und einem Ruderer legten wir also los und glitten schon bald über den Fluß entlang der traumhaften Mangrovenwälder. Dabei sahen wir wunderschöne Vögel, die wir bloß aus den Tierfilmen unserer Kindheit kannten. Wirklich hier zu sein erschien mir wie ein merkwürdiger Traum.

Butre

Während ich die Ehre hatte eine neue Mangrovenpflanze zu setzten, entdeckte Annika sogar einen kleinen Mangrovenfisch am Ufer. Das sind diese wundervollen kleinen Fischgeschöpfe, die auch an Land wandern. Ich wünschte auch ich hätte dieses Tier gesehen, so konnte ich es bloß auf einem Foto bewundern. Und dennoch, allein der Gedanke, dass er dort war, und umbemerkt an Land huschte macht mich schon glücklich. Es gibt schon irgendwie Wunder in der Natur.

Übrigens: Butre bedeutet in der lokalen Sprache wohl „auf die Seite gefallenes Schiff“. Die Legende besagt, dass der hier ansässige Stamm vor einem Krieg flüchtete und an der Mündung des Flusses kenterte ihr Schiff. So beschlossen sie, sich hier niederzulassen und ihr Dorf nach ihrem Schiff zu benennen. Die eigentliche Geschichte ist noch um einiges länger und komplizierter. Es kamen auch noch Geister und Ahnen und Kriegsherren darin vor, aber leider hab ich nicht alles so ganz verstanden. Die Art der Ghanaer Geschichten zu erzählen ist manchmal furchtbar chaotisch und durcheinander. Aber soviel zumindest kann ich mit Sicherheit behaupten.

Die Tour über den Fluß hätte natürlich noch viel länger dauern können, aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist und so gingen wir irgendwo am Ufer des Flußes an Land und liefen noch ein kurzes Stück, bis wir in ein wundervolles ausgestorbenes Hostel am Strand kamen, in dem wir uns eine Erfrischung gönnten, bevor wir uns auf den verschwitzten Weg zurück nach Busua machten. Wie sehr wir uns während dieses Weges auf eine Abkühlung im sanft schwappenden Meer und ein ordentliches Abendessen freuten!

Genau so verbrachten wir dann auch unseren Abend, ruhig und in seeliger Erinnerung an das Erlebte.

Busua3

Der Abschied von diesem traumhaften Flecken Erde fiel uns früh am nächsten Morgen schließlich alles andere als leicht. Falls ihr also jemals nach Ghana kommen solltet, vergesst nicht dem schönen Busua und Butre einen Besuch abzustatten. Bis dahin ist dann vielleicht auch meine Mangrovenpflanze stolz herangewachsen und unterscheidet sich nicht mehr von ihrem schon lange vor ihr gepflanzten Kollegen. Eines Tages muss ich mir das wohl anschauen.

In Kumasi legten wir bloß einen kleinen Zwischenstop ein, denn diese Stadt ist ein wenig von der Sorte Accras. Aber sie besitzt immerhin den größten Markt Westafrikas (zumindest behaupten das die Ghanaer stolz). Zum Glück wusste ich von einem früheren Besuch bereits wo wir hier die Stoffe finden konnten und so mussten wir nicht lange über den Markt irren, bevor wir wunderschöne Stoffe gefunden hatten, die in meiner ghanaischen Heimat Nalerigu zu wunderschönen Shirts und Hosen werden sollten.

Nach einer selten furchtbaren Trotrofahrt (ihr wisst schon, die umgebauten Kleintransporter, in denen man kaum Platz zu Atmen hat) erreichten wir Nalerigu auch endlich.

Nalerigu1

Hier erwarteten uns einige Tage, in denen ich meinen Geschwistern meinen ghanaischen Alltag ein wenig zeigen konnte, sie trafen die Menschen meines täglichen Umfelds, aßen das Essen, an das ich mich inzwischen vollständig gewöhnt habe, und sahen die Straßen, Läden und den Fluß Nalerigus. Letzterer ist zur Zeit leider fast vollständig ausgetrocknet, da wir uns fast am Ende der Trockenzeit befinden.

Nalerigu2

Inzwischen sehne ich mich sehr nach Regen, der allerdings auf sich warten lässt.

Zufälligerweise fiel unser Besuch hier genau auf den Unabhängigkeitstag Ghana. Ein Tag, der voller Stolz gefeiert wird. So wurden wir also Zeuge eines kleinen Marsches im nächsten Ort. Die 8km bis dorthin legten viele Einwohner Nalerigus zu Fuß zurück. Während wir im Taxi an ihnen vorbeifuhren konnte ich nicht anders als zu bewundern, dass sie diesen Marsch in der Hitze zurücklegten. Viele von ihnen sogar ohne überhaupt etwas zutrinken eingesteckt zu haben.

Hier in Nalerigu erlebten die beiden schließlich auch einen ghanaischen Gottesdienst. Diese Gottesdienste sind lang, laut und fröhlich. Ganz anders als in Deutschland singen die Menschen aus vollem Hals und tanzen dabei wild zwischen den Plastikstühlen hin und her. Eine vollkommen andere Atmosphäre, als ich es von Kindesbeinen auf an gewohnt bin. Eine Sache mit der ich mich allerdings noch immer nicht anfreunden kann sind die Heilungen und Teufelsaustreibungen, die viele Pastoren praktizieren. Dabei zittern die zu Heilenden manchmal ganz fürchterlich oder fallen manchmal sogar in Ohnmacht. Sogar im Fernsehen laufen Sendungen in denen Menschen vor Millionen von Zuschauern geheilt werden oder Zeugnis über ihre Heilung ablegen. Es ist erstaunlich wie fest die Menschen von diesen Heilungen überzeugt sind. Solange es bei Heilungen bleibt habe ich kein Problem damit. Doch wenn es zu Teufelsaustreibungen kommt frage ich mich dann doch manchmal, wie weit die Menschen gehen würden, was dieser Glaube mit ihnen machen könnte.

Nun gut, zu schöneren Dingen. Nachdem Anni und Leo sich also mit neu genähter Kleidung eingedeckt hatten und wir diese Station in vollen Zügen genossen hatten, verabschiedeten wir uns wieder von Nalerigu und besuchten das nicht weit entfernte Sirigu. Doch mit den Entfernungen ist das in Ghana so eine Sache, da die Straßen umständlich und schlecht gebaut sind und man oft unnötige Umwege in Kauf nehmen muss, da es auf direktem Wege keine Verbindungsstraße gibt.

Als wir in der Morgendämmerung in den Bus stiegen war dieser bereits voll besetzt, sodass wir für einen Großteil der 3 stündigen Fahrt stehen mussten. Nach einer weiteren ghanaischen Taxifahrt (7 Sitzplätze – 11 Passagiere) gelangten wir schließlich an unser Ziel Sirigu. Allerdings habe ich gehört, dass sich die Taxifahrer in Togo soagar den Fahrersitz mit einem Passagier teilen, demnach sind wir hier in Ghana also noch richtig fein dran. Ich frage mich allerdings wie um alles in der Welt das funktionieren soll.

Sirigu – dieser kleine Ort an der Grenze zu Burkina Faso besitzt die sogenannte Sirigu Womens Organisation of Pottery and Art, kurz SWOPA. In dieser ist es möglich verschieden Workshops zu belegen und in traditionellen kleinen traditionell bemalten Rundhäusern zu übernachten. Diese sind aber wohl mit weit mehr Komfort ausgestattet, als die Originale. Dennoch, das Flair wird eindeutig vermittelt. An diesem ersten Tag hatten wir uns für eine Anleitung in traditioneller Malerei auf Leinen entschieden. Umgeben von den bemalten Rundhäusern entstanden unter unseren Pinseln dann auch überraschende Malereien. Kein Wunder, denn die Muster und Motive sprangen uns ja förmlich an.

SWOPA

Der zweite Workshop den wir am nächsten Vormittag belegten war jedoch noch einmal um einiges wunderbarer.

Korbflechterei stand auf dem Programm.

SWOPA3

Es war wundervoll mit den Frauen zusammenzusitzen und von ihnen einen kleinen Einblick in diese Kunst gezeigt zu bekommen. Dabei entstanden in einem hin und her gereiche mit den Frauen unsere ganz eigenen stolzen Körbchen.

Dazu werden Stohhalme verwendet, die zunächst zu einem Boden zusammengebunden werden. Das Material dafür ist die Rinde von dünnen Ästen, die auch im weiteren Prozess verwendet wird. Um verschiedene Muster und Farben entstehen zu lassen, werden die Stöcke eingefärbt, bevor ihnen unmittelbar vor Flechten des Korbes die Rinde abgezogen wird.

SWOPA2

 

 

 

 

 

Es ist wirklich keine leichte Arbeit einen Korb zu flechten, umso beeindruckender war es zu sehen mit wie viel Leichtigkeit und Fröhlichkeit die Frauen bei der Sache waren. Obwohl sie leider kein Englisch sprechen konnten, lernte ich in einer wundervollen Atmosphäre so einiges.

Den Rest des Tages verbrachten wir in fauler Glückseligkeit auf dem Gelände des Centres. Dieses ist wirklich ein enspannender, abgelegener Ort, ohne Hektik und so fühlten wir uns Puddelwohl, vor allem mit dem Gedanken an das Abenteuer, das uns noch bevorstand: der Besuch des Mole Nationalpark.

Genau dorthin machten wir uns am nächsten Morgen auf. Zwischenstation Tamale. Hier übernachteten wir einmal und kamen auch in den Genuss eines typisch ghanaischen Straßenfrühstücks – in der Pfanne gebratenes Ei und Brot, dazu einen Kakao aus der Plastiktüte.

Tamale Kakao

Hört sich ganz schön merkwürdig an, aber wenn man den Dreh einmal heraus hat funktioniert das trinken aus der Plastiktüte ziemlich gut und macht auch irgendwie Spaß. Zu heiß darf der Kakao allerdings nicht sein, da die Plastiktüte kein bisschen vor dem heißen Kakao schützt. Diese Straßenfrühstücke sieht man eigentlich an jeder Ecke, so muss man nicht lange suchen, ein Ei und Brot kann man immer finden.

TamaleKakao2

Die Busfahrt zum Mole Nationalpark begann früh am nächsten Morgen und zu unserer Überraschung sogar recht pünktlich. Dadurch erreichten wir den Ort, welcher direkt vor dem Park liegt schon am Vormittag. Hier, in Larabanga, besichtigten wir noch die angeblich älteste Moschee Ghanas. Diese ist wirklich ein beeindruckendes kleines Gebäude. Zu gerne hätte ich es mir einmal von innen angeschaut, aber leider ist es Ungläubigen Verboten Moscheen zu betreten. Von Einheimischen wurden wir dann noch kurz durch den Ort geführt und machten uns dann voller Vorfreude auf den Weg zu den Elefanten.

Kaum waren wir angekommen, hielten wir auch schon Ausschau nach den geliebten Riesen.

Von einem Aussichtspunkt beim Hostel im Park konnten wir dann auch schon einen ersten Blick auf die aus der Entfernung ziemlich kleinen Tiere erhaschen. Sie tummelten sich bei einem der beiden Wasserlöcher, denn mitten in der Trockenzeit sind diese die einzige Wasserquelle, die den Tieren zur Verfügung stehen. Nachdem wir sie au der Ferne schon gesehen hatten, freuten wir uns nun umso mehr auf unsere erste Safari, die noch an diesem Abend stattfinden sollte.

Mole3

Während dieser nahmen wir auf dem Dach eines Geländewagens platz. An sich schon eine ziemlich aufregende Fahrt, vor allem, weil Anni, Leo und ich die Ehre hatten ganz vorne zu sitzen, was der ganzen Sache einen Hauch Achterbahnfahrt verlieh. Aufpassen, dass uns keine Äste ins Gescht schlugen mussten wir dafür am Meisten. Zu sehen bekamen wir allerlei Antilopenarten und Vögel, aber leider keine Elefanten. Diese waren wohl noch immer bei den Wasserlöchern, zu denen wir mit dem Auto nicht vordringen konnten. Das ist aber wohl auch gut so, ansonsten würden die Tiere durch die lauten Autos wohl allzu sehr gestört.

Mole4

Den Rest des Tages verbrachten wir am Pool des Hostel, eine wunderbare Sache in der Hitze! Allerdings werden auch allerlei Affen, besonders die vorwitzigen Paviane von den leckeren Essensgerüchen des Restaurants dort hin gelockt und kaum das wir uns versahen, schnappte sich eines dieser Biester unser Kartenspiel, ließ es aber zum Glück wieder fallen, als es merkte, dass es nichts zu Essen war. Diese Paviane haben mir schon ziemliche Angst eingejagt, vor allem, da einige von ihnen Junge hatten und so noch um einiges aggressiver waren. Einmal standen wir vor unserem Raum und einige der Paviane waren in der Nähe unterwegs. Nichts ahnend machten wir einige Schritte auf sie zu. Als plötzlich ein riesiges Exemplar von hinten direkt auf uns zusteuert. Panisch rennen wir direkt in unser Zimmer und schlagen die Tür hinter uns zu. Wir waren seinem Jungen anscheinend zu nahe gekommen.

Nunja, das waren also unsere angsteinflößenden Pavianerlebnisse, unser wunderbares Elefantenerlebniss sollten wir am nächsten Tag dann aber auch noch bekommen.

Diesmal nahmen wir noch vor dem Frühstück an einem zweistündigen Spaziergang durch den Nationalpark teil. Direkt zu den Wasserlöchern, an denen man die Tiere während der Trockenzeit mit großer Wahrscheinlichkeit antrifft, wurden wir geführt. Doch so lange mussten wir garnicht warten. Schon nach einem kurzen, 10 minütigen Weg bekamen wir den ersten Elefanten samt Junges zu sehen. Ganz aus der Nähe! Auf der anderen Straßenseite standen die beiden ganz ruihig und malmten ihr Frühstück. Wundervoll, aber auch ein bisschen unheimlich, wenn man bedenkt wie viel Kraft schon das Junge hatte und wir stehen bloß 10 Meter von ihnen entfernt. Weitere Elefanten und auch ein Krokodil sahen wir dann am Wasserloch, in dem sich insgesamt 5 Exemplare von der heißen Sonne abkühlten.

Mole2

Am Rande des Wasserlochs tranken ein paar Antilopen, immerzu auf der Hut. Und ich erwartete schon fast, das Krokodil würde sich seine Beute schnappen. So wie im Tierfilm eben. Aber auch wenn das nicht geschah, war es viel besser, als jeder Tierfilm, denn es war unmittelbare Wirklichkeit.

Dieses Erlebnis werde ich niemals, niemals vergessen, genau wie die wundervollen Tage mit meinen wundervollen Geschwistern.

Denn schon am nächsten Tag ging es für die beiden zurück nach Accra und für mich zurück in meinen ghanaischen Alltag nach Nalerigu.

Auf der Fahrt dorthin wollte ich mich immer wieder zu Anni und Leo umdrehen, um ihnen etwas zu zeigen, zu sagen, mit ihnen zu lachen. Und auch in der ersten Zeit zurück in Nalerigu, war es nicht leicht mich wieder an meinen Alltag zu gewöhnen. Aber von dem werdet ihr demnächst auch nochmal einiges hören, denn es hat sich einiges getan! Bis dahin die Besten Grüße aus dem viel zu heißen Nalerigu! Ich warte sehnsüchtig auf den Beginn der Regenzeit!

Und ein großes Danke an Anni und Leo! Danke, dass ihr so toll seid und es gewagt habt euch im viel zu heißen Ghana mit mir in eine abenteuerliche Reise zu stürzen.

 

Reiserucksack statt Schokoladenstiefel

Standard

Statt Schokolade im Stiefel gab es für mich zum Nikolaus dieses Jahr einen vollgepackten Rucksack für eine Reise an die Küste Ghanas. Früh morgens am 06. Dezember schulterten Charlotte und ich unsere Taschen und machten uns auf den langen Weg nach Accra. Schon zu Beginn unseres Freiwilligendienstes hatten wir einige Tage in der Hauptstadt verbracht. In meiner Erinnerung war dieser Besuch von wirren Straßen, chaotischen Trotrosystemen und Unübersichtlichkeit geprägt, so war ich sehr gespannt darauf, wie wir uns dieses Mal, ganz ohne Begleiter, in diesem Großstadtjungle schlagen würden.

0wundervolle Aussichten

Doch zunächst einmal wollte der Weg dorthin zurückgelegt werden. Auf vier Stunden Fahrt im ungemütlichen Trotro über ruckelige Straßen, folgte eine 12-stündige Fahrt in einem überraschend bequemen Fernbus. Was für eine Reise.

Aber unsere Geduld wurde schon am ersten Abend reichlich belohnt, denn unser Hostel lag direkt am Meer und so konnten wir schon am ersten Abend eine wunderbare Aussicht genießen.

Am nächsten Morgen wurden wir vom Rauschen der Wellen und der Morgensonne geweckt, woraufhin ein wunderbarer Start in den Tag mit einem leckeren Frühstück auf der Terrasse mit Meeresblick folgte.

So gestärkt und erholt von den Strapazen der vorangegangen Reise machten wir uns auf eine erste Erkundungstour. Unser Weg beginnt bei der im Jahr 1651 von Schweden erbauten Christiansborg, die wir allerdings bloß von außen betrachten können, da sie bis vor kurzem als Regierungssitz diente und noch immer unter strengster Bewachung steht. Laut Reiseführer soll in der alten Burg einmal ein Museum entstehen, aber bis dahin wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Über die Highstreet, die Hauptverkehrsader des Zentrums, geht es weiter Richtung Unabhängigkeitsplatz, auch Black Star Square genannt. Vorbei auch an einem Denkmal für drei von Briten erschossenen Soldaten, welche zum Ende des 2. Weltkrieges 1948 gegen die koloniale Herrschaft protestierten. Am 6. März erlangt Ghana übrigens, als erste Kolonie im tropischen Afrika, seine Unabhängigkeit.

Über eine Freiluftarena, welche für Militärmärsche und große Veranstaltungen dient gelangen wir zum Strand. Wenn man nicht weiß, dass die Highstreet entlang der Küste gelegen ist, so bekommt man auf dieser Straße, bloß wenige Meter vom Meer entfernt, überhaupt nichts von diesem mit. Denn, zu meinem großen Bedauern, merkt man recht schnell, dass Accra eher landeinwärts ausgerichtet ist und das Meer so zur bloßen Nebensächlichkeit wird.

1endlich am Strand

Obwohl der Strand daher eher ein wenig ungepflegt wirkt und sich hinter einigen den Dünen riesige Müllplätze verbergen, ist es doch sehr schön am Meer entlang zu spazieren. Aber schon bald muss ich wieder einmal feststellen, dass wir, als zwei weiße Mädchen, schnell die Aufmerksamkeit vieler junger Männer auf uns ziehen. Und so wird ein ruhiger Strandspaziergang schnell zu einer anstrengenden Angelegenheit. Über eine unglaubliche Müllhalde, das ghanaische Abfallsystem lässt wirklich zu wünschen übrig, weisen uns zwei Händler des Kunst und Kulturmarktes den Weg zu dien bunten Ständen. Die Bekanntschaft beginnt recht nett mit einer kurzen Unterhaltung, doch nachdem sie uns ihren Laden gezeigt haben, werden wir sie schwerlich wieder los. Manchmal ist es sehr schwer einzuschätzen, wer bloß ein paar freundliche Worte wechseln und wer dann eben doch mehr will. Aber schließlich können wir auch diese beiden abhängen und noch ein wenig gemütlich von buntem Stand zu buntem Stand schlendern, um uns Taschen, Skulpturen, Holzschnitzereien und Instrumente zeigen zu lassen. Als wir schließlich genug von den ihre Ware preisenden Händlern haben laufen wir weiter in Richtung Jamestown.

Der Reiseführer lässt verlauten, dies sei der Ort an dem sich Banken, Kaufhäuser, Universitätsfakultäten und staatliche Einrichtungen befinden. Für mich viel erwähnenswerter und überraschender allerdings ist das Fischerdorf, dass sich am Rande dieses Viertels befindet. Noch auf der Hauptstraße merkt man nichts von dieser Siedlung, bloß der Leuchtturm von Jamestown lockt uns in die Richtung des Haupteingangs zu dieser Barackensiedlung. Von der Straße aus haben wir einen guten Blick auf Holzhütten, Boote und etliche Menschen, wissen jedoch noch nicht so recht, auf was wir da gestoßen sind, denn im Reiseführer wird dieser Teil des Viertels nicht erwähnt. Vorsichtig nähern wir uns, um herauszufinden, wo wir hier gelandet sind. Doch schon bald werden unsere unschlüssigen Schritte von Leuten angehalten, die uns sagen: Hier dürft ihr nicht alleine rein, da braucht ihr einen Führer. Der kostet euch 5 Cedi pro Person. Zuerst sind wir etwas skeptisch, doch als wir uns schließlich zwischen den Wohnstätten der Fischer befinden, sind wir froh hier nicht allein hindurch zu laufen. Fast wünschte ich sogar ich wäre nicht hier herein gekommen. Denn hier herrscht pure Armut.

2Im Herzen der Armut

Welches Recht habe ich da als weiße Europäerin diese Armut zu besichtigen? Oder ist es gerade wichtig sich dieser Armut bewusst zu werden? Und wie sollte ich dies ohne sie gesehen zu haben? Ich fühle mich unwohl, so viel steht fest. Ich, die ich zwar gekommen bin, um zu helfen, aber nach einem Jahr wieder nach Deutschland zurück kehren werde, wo mich, wenn auch unschlüssige, so doch aussichtsreiche Zukunftsaussichten erwarten. Ich lebe in einem Luxus und in einer Sicherheit, die sich diese Menschen nicht einmal erträumen können. Der Mann, der uns durch das Viertel führt, erzählt uns, dass er hier an einer Schule für Waisenkinder unterrichtet, welche durch Spenden finanziert wird. Waisen gibt es hier viele, denn die Väter fahren hinaus auf See und kehren, wenn überhaupt erst nach Tagen der Abwesenheit wieder zurück. Am Ende des Rundgangs bittet uns der junge Mann um eine Spende für die Waisenkinder. Und wieder einmal weiß ich nicht wie ich reagieren soll. Wie sicher kann ich überhaupt sein, dass das Geld nicht in seiner eigenen Tasche landet? Was sind denn schon 5 Cedi für mich? Aber eigentlich bin ich nicht hier, um Geld zu geben. Ich versuche doch durch meine Aktivitäten und Arbeit etwas gutes zu schaffen, zur Entwicklung beizutragen. Solche Situationen werden mir wohl noch viel häufiger begegnen als mir lieb ist. Und es wird wohl nie leicht werden sie richtig einzuschätzen und mit ihnen umzugehen.

Eine ganz andere Seite der Stadt begegnete uns am nächsten Tag, als wir dem größten Markt der Stadt, dem Makola Market, einen Besuch abstatteten. Nachdem wir bereits den Markt Kumasis während unser letzten Ferien kennengelernt hatten, erschien mir dieser Markt im Vergleich um einiges weniger riesig und unübersichtlich. Wieder einmal interessiert uns natürlich besonders die Stoffabteilung. Wie sollte es anders sein. Diesmal ziehen mich besonders die gebatikten Stoffe an und schon bald bin ich Besitzerin eines wundervollen, grün gebatikten Stoffes, aus dem hoffentlich bald ein Rock entstehen wird.

Nach diesem halben Tag im Gedränge des Markttreibens, wollten wir nun endlich einmal baden gehen. Wie sich herausstellte einfacher gesagt als getan. Denn obwohl es heute viel leerer war als am Tag zuvor wurden wir dennoch ständig angemacht. Nicht unbedingt die Vorraussetzungen, unter denen ich mich nur mit einem Bikini bekleidet zeigen möchte. So spazierten wir also bis zum Ende des Strandabschnittes, der nahe der Christiansborg gelegen ist.

3Baden verboten

Dort bekamen wir dann auch noch unsere Abkühlung. Nacheinander, um die Rucksäcke nicht allein zu lassen. Als ich noch im Wasser bin, nähert sich allerdings ein Sicherheitsbeamter der Christiansborg, der uns zu verstehen gibt, dass es verboten ist in der Nähe der Burg zu baden. Ob aus Respekt vor der Vergangenheit der Burg oder aufgrund seiner heutigen Funktion können wir nicht herrausfinden. Ein Schild, das uns darauf hätte hinweisen können gibt es nicht. Hier sind wohl wieder einmal Ortskenntnisse gefragt.

Nach dieser zumindest für uns willkommenen Abkühlung fuhren wir zu Susanne und Vincent, bei denen wir bereits zu Beginn des Freiwilligenjahres für einige Tage geblieben waren. Dort hatten wir eine wahrhaft wunderbare Zeit und konnten sogar dabei sein, als Chito gekocht wurde. Dies ist eine Soße, die gerne zu Reis oder Yam gegessen wird und hauptsächlich aus Zwiebeln, Ingwer, Thunfisch, viel Öl und Chili besteht. Die Ghanaer mögen diese gerne so scharf wie möglich, doch ein kleiner Teil wurde vorher abgeteilt und mit weniger Chili weiterverarbeitet, so dass auch ich diese leckere Soße kosten konnte.

Nach einem Tag wunderbarer Entspannung ging es dann also weiter zu unserem nächsten Ziel. Cape Coast, welches, ungefähr zwei Stunden Busfahrt von Accra entfernt, ebenfalls an der Küste liegt. Dort übernachteten wir in einer Unterkunft der „Baobab Childrens Foundation“. Dies ist eine deutsch-ghanaische Initiative, welche es Kindern ermöglicht eine Bildung zu erhalten. Um diese zu finanzieren wird zum einem das Hostel geführt. Zum anderen stellen die Kinder während Workshops am Nachmittag Dinge für einen kleinen Laden her, die dort verkauft werden können.

4Strandidylle in Cape CoastAls wir die Küstenstadt 5Erkundungenerreichten war es bereits früher Abend und so unternahmen wir an diesem Tag nichts weiter, als einen kleinen, wundervollen Strandspaziergang.

Dabei konnten wir auch bereits einen kleinen Blick auf Cape Coast Castle werfen, welches wir am nächsten Tag besichtigen wollten. Diese Festung gehörte für 200 Jahre zu den größten Sklavenumschlagplätzen der Welt, von hier wurden die Einheimischen, die zuvor oft eine beschwerliche Wanderung aus dem Norden des Landes hatten, nach Amerika verschifft. Am nächsten Tag also konnten wir bloß eine Ahnung des Grauens und der Leiden erahnen, die Männer, Frauen und Kinder hier erdulden mussten. In feuchten, fensterlosen Erkern mussten sie oft noch monatelang ausharren, bevor die Überfahrt nach Amerika begann. Diese Zeit überlebte oft nur einer von 10 Männern. Frauen litten außerdem allzu häufig zusätzlich an Misshandlung durch Soldaten und Offiziere.

6The Castle- Ein Leidenszeugnissder Vergangenheit?Am Ende der Führung durch die Burg wurde etwas gesagt, worüber es sich wohl lohnt einmal nachzudenken: Die Sklaverei in der Form, wie sie hier und in anderen Orten Afrikas und Amerika praktiziert wurde, hat zwar ein Ende gefunden, aber Sklaverei an sich existiert noch immer, wenn auch auf andere Art und Weisen, auf der ganzen Welt.

7Hinter den Mauern der Burg beginnt eine wundervolle Aussicht

Als Kontrastprogramm zu dieser zum Nachdenken bringenden Führung, machten wir einen Ausflug zum Strand. Wie auch schon in Accra, war es eine halbwegs unangenehme, aber doch wunderbar erfrischende Sache zu baden. Diesmal allerdings wenigstens ungestört von Sicherheitsbeamten, trotz der Nähe zum Castle.

Sicherheit war auch am nächsten Tag, während unseres Tagesausfluges in den Regenwald, ein entscheidendes Stichwort. Denn eines der Besonderheiten des Kakum Nationalparks in der Nähe von Cape Coast ist der sogenannte Canopy Walkway. Dies ist ein Pfad von Hängebrücken, der 40 Meter über dem Erdboden durch die Baumwipfel der Urwaldriesen führt. Eine ziemlich beeindruckende Angelegenheit, bei der man mit viel Glück auch einen Blick auf Affen oder ähnliche Tiere erhaschen kann. Soviel Glück hatten wir leider nicht. Dennoch hat sich der Ausflug in die Höhe eindeutig gelohnt und hat viel Aufregung und Spaß gebracht.

8luftige Angelegenheit

I11frisch vom Baumm Gegenteil zu Aufregung und Spannung war der nächste Tag erfüllt von Faulheit und Entspannung, denn an diesem machten wir einen Ausflug nach Brenu Akini. Dieser kleine Ort liegt direkt am Meer und besitzt einen wunderbar leeren und idyllischen Strand, an dem wir endlich einmal ganz uns selbst überlassen waren und uns Sonne, Palmen und Meer hingeben konnten.

Später bekamen wir sogar eine Kokosnuss direkt vom Baum, als drei Jungen die Palmen am Strand erklommen, die reifen Früchte ernteten und uns anboten. Ein wirklich gelungener Tag, den ich allerdings mit einem kleinen Sonnenbrand zu bezahlen hatte.

10Endlich Einsamkeit

An unserem letzten Tag in der Region um Cape Coast machten wir uns auf nach Elmina, einem netten, kleinen Fischerort, von dem man fast bis nach Cape Coast hinüberschauen kann. Auch hier gab es eine Sklavenburg zu besichtigen. Diesmal entschieden wir uns jedoch diese bloß von außen zu betrachten und erklommen den Hügel hinauf zur Conradsburg, die im Gegensatz zum Castle nie Sklaven beherbergte, sondern zur Verteidigung der Stadt diente. Von dort oben hat man wirklich eine wunderbare Aussicht auf das umliegende Land.

12Überall entlang der Küste trifft man Fischer bei der Arbeit an

Dies war auch bereist fast unsere letzte Chance, der Küste Auf Wiedersehen zu sagen, denn nach einem letzten Strandspaziergang an diesem Abend, ging es für uns am nächsten morgen bereits zurück nach Accra und mit dem Flugzeug weiter nach Tamale und schließlich nach Nalerigu.

In Accra allerdings war noch soviel Zeit geblieben, um noch zwei weitere Stoffe auf dem Makola Market zu erstehen, wunderbare Stoffe, aus denen bereits Kleider entstehen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

Viel zu schnell vorbei war es doch wirklich ein Weihnachtsurlaub, wie kein anderer zuvor. Unter Palmen, Sonne und Meer mit der richtigen Note an Entspannung und Ruhe. Nun geht es immer mehr auf Weihnachten zu und ich kann es noch kein bisschen realisieren. Denn es ist ein ganz anderes, für mich völlig unweihnachtliches Gefühl dieses Fest ohne Kälte, Ofenwärme, Eis, Schnee, heißem Kakao und Bratäpfeln zu feiern. Einen Weihnachtsbaum zumindest haben wir, wenn auch aus Plastik, bringt er mir doch ein wenig Advent und Weihnachten in Erinnerung.

Ich bin gespannt wie sich die Festlichkeiten hier abspielen werden. Ihr werdet definitiv von mir hören. Bis dahin wünsche ich euch allerdings ein wundervolles, entspanntes Weihnachtsfest unter euren Liebsten! Und falls ihr genug von Eis und Kälte habt, schickt mir doch etwas davon nach Ghana, denn ich vermisse sie sehr.

Die Schwierigkeit der Kreativität

Standard

Nachdem ich eine Woche Seminar hinter mir habe, hat sich hier in Nalerigu für mich einiges verändert. An dieser Stelle also nochmals: Danke, Stephanie für deine Hilfe!
Nun also.
Zunächst einmal habe ich meine Klasse nun in zwei Gruppen unterteilt. Statt 47 stehe ich Dienstags und Donnerstags jetzt 24 Kindern und Mittwochs und Freitags 23 Kindern gegenüber. Bisher klappt diese Unterteilung wirklich gut und ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung.
Die kleineren Gruppen wirken bereits beim Betreten des Klassenraums um einiges motivierender auf mich (der Klassenraum wirkt plötzlich richtiggehend leer) und ich habe das Gefühl ich kann mich nun etwas individueller mit den Kindern beschäftigen und mir für Schwächere Zeit nehmen, während die Anderen Übungsaufgaben bearbeiten. Während ich mich mit der einen Hälfte der Klasse beschäftige, schicke ich die andere also auf den Schulhof, weit genug weg von der Klasse, um Ablenkungen vorzubeugen. Bisher hat dies gut funktioniert und die Kinder kamen nicht zu Türen oder Fenstern zurück gelaufen, um Unsinn zu treiben. Hoffentlich hält dieser Erfolg nun also erst einmal an. Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen.

Aber nicht nur meine Arbeitswoche in der Schule hat sich nun leicht verändert, auch meine Samstage haben sich etwas gewandelt.
Bisher war es immer so gewesen, dass ich von Dienstag bis Freitag in der Schule und Samstags zusätzlich von 9 bis 12 im Feeding gearbeitet habe. Sonntag und Montag sind also meine freien Tage. An dieser Grundlegenden Aufteilung hat sich auch nichts geändert.
Nun allerdings treffen wir uns mit den Kindern nicht schon um 9, sondern erst um 13 Uhr, um dann 3 Stunden miteinander zu verbringen. Diese Zeitänderung kam dadurch zustande, dass die Kinder an den Samstagen immer bloß sehr vereinzelt kamen. Dies liegt offenbar daran, dass sie vormittags am Fluss ihre Wäsche waschen, bei der Farmarbeit oder sonst im Haushalt helfen oder auch zur Schule gehen müssen. Nach einem Gespräch mit den Kindern beschlossen wir also die Zeit zu verschieben, da der allgemeine Tenor den Nachmittag bevorzugte.
Nun ist der Samstag also zu einer Art Projekttag auserkoren, an dem wir genügend Zeit haben, um einmal etwas besonderes zu planen oder die Gruppe der doch sehr unterschiedlich alten Kinder zu unterteilen.
Der erste Versuch eines solchen Projekttages wurde also gestartet. Für diesen hatten wir uns mit den älteren Mädchen abgesprochen. Aus buntem Garn und Perlen wollten wir Freundschaftsbänder mit ihnen knüpfen.
Ärgerlich war bloß, dass um 13:45 immer noch nur eines der älteren Mädchen gekommen war. Kurzerhand nahmen wir uns also die jüngeren dazu und machten es uns in der Kirche, in der wir ein wenig Ruhe hatten, bequem. Im Lauf der nächsten Zeit trudelten einige der Älteren dann doch noch ein und so wurde es eine viel größere und chaotischere Gruppe, als dass wir es geplant hatten.

stolze Ergebnisse

stolze Ergebnisse

Im Laufe der drei Stunden zeigte sich bei manchen der Kindern wieder einmal, dass Kreativität und eigenständiges Denken beziehungsweise Weiterdenken etwas ist, das in der hiesigen Erziehung eher weniger gefördert wird. So ist zumindest mein Eindruck, der sich meiner Meinung nach sowohl in der Schule als auch in der Arbeit mit den Waisenkindern äußert.
In der Schule beispielsweise führen schon kleine Veränderungen in der Formulierung der Aufgabenstellung zu Verwirrungen. Ebenfalls kommt es häufig vor, dass die Kinder in anderen Fächern Sätze auswendig zu lernen haben. Dabei ist es meiner Meinung nach teilweise fragwürdig, ob der tatsächliche Sinn der Wörter wirklich zu ihnen durchdringt oder ob sie sich jetzt eben diesen Satz, die Abfolge dieser Wörter gemerkt haben. Vielleicht wäre es manchmal sinnvoller sie die Regeln zwar lernen, aber in ihren eigenen Worten wiederholen zu lassen.
Auch im Feeding Centre konnte ich diese Beobachtung bereits einige Male machen. Darin sich aus beliebigen Gegenständen grenzenlose Spiele hervorzuzaubern zeigen die Kinder unglaublich Kreativität.

Eine einfache Schnur dient als Netzersatz beim Volleyball

Eine einfache Schnur dient als Netzersatz beim Volleyball

Doch wenn wir uns beispielsweise zum Malen mit ihnen hinsetzen und sie den Stift in die Hand nehmen, scheint diese Kreativität plötzlich spurlos verschwunden zu sein. Jedes der Kinder hat wohl letztes Jahr ein Malbuch geschenkt bekommen. Aus diesen Malbüchern wird nun immerzu abgezeichnet. An sich eine nette Sache.
Schwer ist es nun allerdings die Kinder einmal dazu zu bekommen etwas eigenes zu zeichnen.
Im Versuch darauf abzuzielen einige der Kinder doch dazu zu bewegen malte ich also mein Haus, meinen Garten, meine Mutter, meinen Vater, meine Schwester, meinen Bruder und mich und natürlich eine lachende Sonne und Wolken auf ein Blatt Papier. Schließlich zeigte ich einem der Mädchen mein Werk und fragte es, ob auch sie ihr Haus und ihre Familie malen könne. Was sie tat war mein Bild zu kopieren.
Solche Begebenheiten finde ich dann doch ein wenig erschreckend. Vielleicht sollte es mit dem auswendig lernen bestimmter Regeln und Sätze nicht übertrieben werden.
Trotz solcher Widrigkeiten machte unser Freundschaftsarmband Projekt den Kindern sehr viel Spaß und auch für mich war es befriedigend einmal ein Projekt umsetzen zu können, welches mehr als eine Stunde in Anspruch nimmt. Denn eine Stunde ist alle Zeit die wir Dienstags bis Freitag mit den Kindern bekommen.
Es wird sich zeigen, was die nächsten Samstage bringen werden. Auf jeden Fall hoffe ich, dass immer mehr der Kinder auch an Samstagen durch interessante und attraktive Projekte und durch die neue Zeit angelockt werden.

Ein kleines bisschen Mampruli

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Samstags, 10:30, Nalerigu, Pastor Josephs Haus, mein Mampruli Unterricht beginnt! Und das von nun an wöchentlich!
Endlich, endlich haben wir nun jemanden gefunden, der uns ein wenig die Sprache der Einheimischen beibringen kann. Der älteste Sohn des Pastors, Emmanuel, trifft sich nun wöchentlich mit Charlotte und mir und schlägt sich mit unseren bisher noch kläglichen Künsten herum.
Ein Besonderheit oder vielleicht eher besondere Schwierigkeit beim Erlernen der Sprache ist zum einen, wie sollte es anders sein, die Aussprache. Da gibt es Beispielsweise den Satz:
N-yen chen la daa – Ich gehe zum Markt
Dabei ist das N am Anfang des Satzes eher ein Laut, der aus der Kehle kommt, als alles andere. Für mich nicht ganz einfach herauszubekommen. Solche Buchstaben gibt es einige, wobei das M, welches ebenfalls vor einigen Sätzen steht, für meine Ohren komplett gleich klingt wie das N, aber offensichtlich ein absolut anderer Laut zu sein scheint. Dazu kommen noch die „wonderful letters“. Diese wundervollen Buchstaben sind eine Eigenheit des Mampruli, wie genau diese ausgesprochen oder richtig geschrieben werden, hab ich allerdings noch nicht so recht herausgefunden.
Für alle interessierten hier trotzdem einige Dinge, die ich bereits beherrsche.

Guten Morgen – Dasuba
Guten Tag – Niwuntanga
Guten Abend – Niizanoori
Gute Nacht -Anola
Willkommen – Ejari

Weitere Begrüßungen beziehen sich auf die Tätigkeit, der zu grüßenden Person.
Wenn ich nun also jemandem begegne, der gerade bei der Arbeit ist, sage ich statt zum Beispiel „Guten Morgen“:

Niyatuma? (für mehrere Personen) Nituma? (für eine Person) – Wie ist die Arbeit?

Die Antwort auf diese Begrüßungen ist jeweils „Naa“ mit ganz langem A gesprochen.
Dieses Na wird dann gepaart mit verschiedenen Fragen nach dem Wohlbefinden der grüßenden Person.

Wie hast du geschlafen? – Tmasum?
Wie geht es dir? – Dinyawula?
Wie ist deine Gesundheit?- Emari Alafiah?

Antworten auf diese Erkundigungen könnten dann wiederum beispielsweise folgende sein:

Gut – Disuawa (ausgesprochen: Dswa)
Meine Gesundheit ist gut. – M-mari Alafiah

Soweit so gut gegrüßt.
Hier noch ein paar andere Sätze und Wörter, die im ghanaischen Alltag vielleicht hilfreich sein könnten.

Ich bin hungrig – Kum-m-marima (ausgesprochen: Kum marma)
Ich werde etwas essen – N-yen dila dibu
Ich werde nichts esse – N-yen gbesini (anscheinend soll das g hierbei irgendwie im „Halse stecken bleiben“, aber ich und alle anderen Banausen, hören das garnicht und finden es hört sich an wie: besini, ach ja und das y wird, auch in den anderen Wörtern, wie ein J ausgesprochen)
Wie heißt du? – Eyuri?
Mein Name ist… – N-yuri Jala…
Ich gehe nach Hause – N-kunini

Das Schlüsselwort der ersten Stunde allerdings war für mich:

das Waisenhaus – kpibisiyililani

ausgesprochen wird das ungefähr wie: pipsijililani

Der dazugehörige Schlüsselsatz war dann:

Ich gehe zum Waisenhaus – N-yen chen la kpibisiyililani

Ebenfalls eine nette Sache ist vielleicht das Gegenstück zu dem Wort „Suleminga“ zu kennen. Wie ich bereits früher erwähnt hatte bedeutet dies „Hellhäutiger“ und als Solche bekomme ich es von Groß und Klein ziemlich oft auf der Straße zugerufen. Da ist es vielleicht einmal eine Abwechslung „Gban sabeli“ (mit für mich nicht herauszuhörendem G) zurückrufen zu können.

Na dann wünsche ich euch und mir mal ganz viel Erfolg beim Erlernen einiger Sätze und Wörter. Für heute nur soviel denn

Ich gehe zur Schule – N-wa sukunini (ausgesprochen N-wa skunini)

Also dann, M-puusiya für eure Aufmerksamkeit.
Ich wünsche euch das Beste!

Jubel! Trubel! Heiterkeit?

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Vor einigen Wochen hat die Schule hier in Nalerigu nun wieder begonnen. Nach dieser langen, schulfreien Zeit in der ich mir das ein oder andere Mal das Ende der Ferien herbeiwünschte, freute ich mich sehr darauf nun endlich auch in meiner zweiten Einsatzstelle aktiv werden zu können.
Der Plan war, dass Charlotte und ich zunächst in verschiedenen Klassen dem Unterricht beiwohnen würden, um uns einen Eindruck der Lehrmethoden, des Schulsystems und des Faches, das wir unterrichten würden, machen zu können. Die Realität war letztendlich, dass wir uns in bloß eine Doppelstunde einer Class 5 hineinsetzen konnten. Das war natürlich etwas schade und gerne hätte ich noch andere Klassen besucht, doch nachdem wir bereits 2 Monate Zeit hatten uns an die ghanaische Mentalität zu gewöhnen, war ich nicht überrascht, als wir in der zweiten Woche bereits selbst zum Unterrichten geschickt wurden.
Nach einigem hin und her waren die Stunden und Klassen dann auch verteilt. Ich würde eine Class 3 in Mathematik übernehmen. Am letzten Schultag der ersten Schulwoche begegnet ich den 47 Kindern also zum ersten Mal. Die Aufregung und der Jubel waren groß. Die Kinder waren begeistert, dass ich von nun an ihre Mathelehrerin sein würde.

Die Räume der dritten Klassen

Die Räume der dritten Klassen

Nach dem Wochenende, während dessen ich mich mit Hilfe des Mathebuches auf den Unterricht vorbereiten konnte und mir so meine Gedanken über die Größe der Klasse machte, ging es also bereits los. Während der ersten Schulwoche hatten die Kinder noch keinen Unterricht gehabt, so dass ich mit ihnen auf Seite 1 des Buches begann. Dieses Mathebuch haben die Kinder selbst jedoch nicht, sodass alles wichtige an- und abgeschrieben werden muss. Manchmal eine recht zeitaufwendige Angelegenheit.
Die Nervosität, die ich vor meiner ersten Stunde verspürt hatte, verflog schon bald und ich stellte fest, dass das Unterrichten nichts war, wovor ich Angst haben musste.
Die Klasse war zwar recht unruhig und es herrschte großer Trubel in der Klasse. Aber dennoch schafften wir an diesem Tag ein erstes kleines Thema. Den Trubel in der Klasse schob ich darauf, dass die Kinder sich erst einmal daran gewöhnen mussten von einer Weißen unterrichtet zu werden. So machte ich mir deshalb also erst einmal keine weiteren Sorgen und nahm an, dass diese Aufregung bald verflogen sein würde.
Dementsprechend erhoffte ich mir von der nächsten Stunde etwas mehr Ruhe und Aufmerksamkeit. Doch weit gefehlt. Die Heiterkeit, die ich und die Kinder zunächst empfunden hatten, verflog schon bald. Zumindest auf meiner Seite. Es klappte einfach nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte und die Kinder waren viel zu unaufmerksam und unruhig, um ihnen wirklich etwas beibringen zu können.
Eine Hausaufgabe, denen ich den Kindern aufgegeben hatte und die ich nach dem Unterricht am nächsten Tag im Lehrerzimmer kontrollierte, spiegelte diesen Eindruck der Erfolglosigkeit in den meisten Heften unverkennbar wieder.

Informatikraum trifft Lehrerzimmer

Informatikraum trifft Lehrerzimmer

ZuHause setzte ich mich also hin und überlegte, wie ich meine Klasse in den Griff bekommen könnte.
Ich wusste, dass die Unterrichtsmethode der Ghanaer eng mit der Bestrafung des Schlagens verbunden ist.
Vor Charlotte und mir waren die Lehrer, meines Eindruckes nach, bisher recht zurückhaltend mit dieser Methode gewesen. Und ich fand es schwer vorstellbar, dass sie, die ich außerhalb des Unterrichts als nette Menschen kennengelernt hatte, die Kinder tatsächlich schlugen. Obwohl ich natürlich wusste, dass es passierte. Als ich vor meiner dritten Stunde gerade in meine Klasse getreten war, wurde ich jedoch Zeuge dieser, meiner Ansicht nach, unwürdigen Behandlung. Noch holte ich meine Notizen hervor und hatte den Unterricht noch nicht begonnen. Da trat plötzlich eine andere, recht junge Lehrerin ein. Ich habe nicht genau verstanden was mit der Regentonne, die in der Klasse steht und aus der die Kinder ihr Trinkwasser schöpfen nicht in Ordnung war. Die Becher auf dem Deckel der Tonne lagen wohl etwas zu unordentlich und zwei waren heruntergefallen. Jedoch verlangte sie nach zwei Schuldigen. Der erste Schuldige war schnell gefunden. Er musste der Lehrerin seine Arme hinhalten und bekam ordentlich etwas mit einem Weidenstock verpasst. Die zweite Schuldige schienen die Kinder zunächst nicht verraten zu wollen. Nach Androhung einer Kollektivstrafe durch die Lehrerin, verrieten die Kinder allerdings auch das zweite Mädchen schnell, mit der die Lehrerin daraufhin genauso verfuhr, wie zuvor mit dem Jungen. Ein anderes Mal fuhr ich zufällig mit dem Fahrrad an dem Klassenraum meiner Klasse vorüber. Dabei musste ich beobachten, dass die Kinder sich in einer Reihe aufstellten, um sich beim Lehrer Schläge abzuholen. Offenbar die Folge einer Kollektivstrafe.

Diese Bestrafung wollte ich auf keinen Fall einsetzten, soviel wusste ich. Und soviel wussten auch die Kinder. Genau hier lag allerdings der springende Punkt. Da die Kinder wissen, dass ich sie nicht schlagen werde, verhalten sie sich in meinem Unterricht herausfordernder und aufgekratzter, als bei meinen ghanaischen Kollegen. Ich musste mir also andere Bestrafungsmöglichkeiten ausdenken. In der nächsten Stunde versuchte ich es damit, extrem laute Kinder vom Unterricht auszuschließen. Erstaunlicherweise zeigte dies seine Wirkung. Nachdem ich eine Schülerin, nach wiederholter Ermahnung, unweit des Klassenzimmers an einen Mast verbannt hatte, wurden die anderen unter Androhung der selben Strafe bereits viel ruhiger. Nach den vorangegangenen lauten Stunden, in denen ich so gut wie keinen Unterrichtsstoff geschafft hatte, war dieser Tag recht erfolgreich und ich fühlte mich bereits viel besser und zuversichtlicher, als nach den vorherigen Einheiten.
Hoffnung gibt mir auch die Tatsache, dass in der Klasse zur Zeit noch 3 Schulbänke samt Tischen fehlen, so dass die Kinder oft im Stehen an der Wand, im Fensterrahmen, oder im Hockenauf dem Boden mitschreiben. Dies bringt natürlich noch um einiges mehr Unruhe und Chaos in die Klasse. Von der Schule wurde mir versichert, dass dieses Problem bald aufgehoben sein wird. Bleibt mir nur übrig das Beste zu hoffen und das kleine, missverständliche Wörtchen bald nicht allzu eng auszulegen.

Spiegel des Chaos

Spiegel des Chaos

Mit der Zeit wird sich zeigen, welche Bestrafungs- oder Belohnungsmöglichkeiten gut bei den Kindern funktionieren. Bis jetzt bin ich allerdings froh schon einen kleinen Erfolg verzeichnen zu können. Dieser bestätigt mich in meiner Überzeugung und motiviert mich gegen die kommenden Unruhen und Störungen.
Auch hoffe ich in Zukunft nicht nur den Kindern meiner Klasse die Schläge ersparen zu können. Indem ich meinen Unterricht und vor allem meine Bestrafungen erfolgreich anders gestalte, als die hier Üblichen, kann ich den Ghanaern mit der Zeit möglicherweise zeigen, dass es nicht nötig ist die Kinder zu schlagen und dass es Alternativen gibt, die im Endeffekt sogar viel Sinnvoller sind.
Denn dadurch, dass die Kinder schon von klein auf lernen, dass jemand, der einen Fehler macht, es verdient geschlagen zu werden, lösen sie auch kleinere Streitigkeiten unter sich oft handgreiflicher und aggressiver, als man es von ihnen erwarten könnte. Dies ist zumindest mein bisheriger Eindruck, den ich auch während meiner Arbeit mit den Waisenkindern manches Mal bestätigt finde. Eine weitere Sache, die mich ein wenig erschreckte, ist die Tatsache, dass die Kinder meiner Klasse mich bereits einige Male dazu aufforderten andere Kinder zu schlagen. Dies zeigt mir in erschreckendem Maße, wie verankert und selbstverständlich diese Behandlung in der Gesellschaft ist.
Darauf einen kleinen Teil zu einer Veränderung beizutragen hoffe ich mit ganzem Herzen.

Bis eine tatsächliche Veränderung eingetreten sein wird, werden diese Kinder wohl schon Erwachsene sein

Bis eine tatsächliche Veränderung eingetreten sein wird, werden diese Kinder wohl schon Erwachsene sein

Labyrinth der Gassen

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Nach 6 einhalb Wochen in Nalerigu beschlossen Charlotte und ich einen Ausflug nach Kumasi zu unternehmen. Die 1,5 Mio Hauptstadt der Ashanti Region ist laut meinem Reiseführer nicht nur die zweitgrößte Stadt, sondern auch das kulturelle Zentrum Ghanas. Doch noch lag eine lange, lange Strecke zwischen uns und dieser gelobten Stadt, die erst einmal zurückgelegt werden wollte. Am 12. September ging es daher für uns in früher Stunde zwischen Nacht und Morgen zur Buststation in Nalerigu. Hier nahmen wir das erste Trotro des Tages zunächst einmal nach Tamale.

-Kurze Anmerkung nebenbei-

Trotros sind übrigens umgebaute Kleinlaster, die mit zu schmalen Sitzen nur so vollgestopft sind. Der Mittelgang besteht dabei aus Sitzen, die zur Seite geklappt werden können und ebenfalls genutzt werden. Während der Fahrt ist der Mittelgang also non Existent, wodurch die Enge nur noch größer wird. Eine Fahrt in diesem öffentlichen Verkehrsmittel ist nicht selten eine Tortour, die noch dadurch erhöht wird, dass die Strecken meist schlecht ausgebaut und voller riesiger Schlaglöcher ist. Das sperrige Gepäck der Passagiere wird dabei auf das Dach des Vehikels geschnürt. Dazu gehört ab und an auch die ein oder andere Ziege. Wenn das Trotroinnere voll besetzt ist, kommt es außerdem vor, dass die Sitzgelegenheiten für Passagiere einfach auf das Dach erweitert werden. Aber soviel dazu.

In solch einem Bus legten wir also die erste Etappe unserer Reise zurück. In Tamale angekommen, stiegen wir dann jedoch auf einen weit bequemeren Bus der MetroMass um. Zunächst schien es, als hätten wir kein Glück, denn nachdem wir eine gute halbe Stunde in der Schlange darauf gewartet hatten unser Ticket kaufen zu können, war der Bus nur 2 Personen vor uns gefüllt und wir mussten nun darauf warten, dass der nächste Bus kommen würde. Erfreulicherweise ließ dieser nicht lange auf sich warten und nach weiteren 2 Stunden Wartezeit, in der wir ein kleines Frühstück in Form von Brot, Obst und Ei zu uns nehmen konnten, ging es auf die zweite Etappe unserer Reise.

Es war bereits dunkel, als wir schließlich in Kumasi ankamen. Doch gerade diese Dunkelheit gab mir ein gewisses Gefühl voller Vertrautheit. Mir war zwar klar, dass es trügerisch war, doch ich konnte mich dessen dennoch nicht erwehren. Die Straßen waren voller Lichter, Autos mit ihren roten und weißen Scheinwerfern, die an mir vorbeizogen. Es war laut und es war geschäftig. Eine Stadt, die mir in der Dunkelheit ein Gefühl von meiner Heimatstadt vermittelte. Ein flüchtiges Gefühl, das schon bald wieder verflogen war, denn wie viele Unterschiede gibt es nicht aufzuzählen?

Nach einigem hin und her und einer kleinen Auseinandersetzung mit einem Taxifahrer, der von uns am Ende der Fahrt plötzlich das doppelte von dem Preis verlangte, den wir zu Beginn vereinbart hatten, fanden wir schließlich ein Zimmer in dem sauberen, freundlichen Presbyterien Guesthouse. Hier bekamen wir am nächsten Tag sogar ein leckeres Frühstück für wenig Geld, so dass wir unseren Aufenthalt in dieser großen Stadt gestärkt und ausgeruht beginnen konnten. Unser erster Weg führte uns zum Kulturzentrum, welches einen kleinen Fußmarsch von unserer Unterkunft gelegen war. Während diesem konnten wir erste Eindrücke der bunten Stadt erhaschen und kamen ohne es zu wissen sogar schon an dem legendären Zentralmarkt der Stadt vorüber. Kaum zu glauben, dass wir ihn übersahen, doch gerade das verdeutlicht wohl den unheimlichen Trubel der Stadt. Vor lauter Bäumen kann es da vorkommen dass man den Wald nicht mehr sieht. Oder besser gesagt: Vor lauter Straßenständen sahen wir den Markt nicht mehr.

1Der Straßenmarkt beginnt bereits vor dem richtigen Zentralmarkt

Der Straßenmarkt beginnt bereits vor dem richtigen Zentralmarkt

Im Kulturzentrum angekommen mussten wir leider feststellen, dass dieses am Wochenende weit weniger zu bieten hat, als unter der Woche. Viele der Geschäfte waren geschlossen und die meisten Handwerker, denen man normalerweise bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann, ruhten sich während dieser Tage wohl zu Hause aus. Die einzigen Handwerker, die wir trafen waren zwei Bronzegießer, einen Korbflechter und jemanden der einen Baumstumpf zu einer Trommel verarbeitete, indem er diesen aushölte.

3Noch ist es schwer vorstellbar, dass aus diesem Klotz einmal eine elegante Trommel enstehen wird 2Konzentrierte Flechtarbeiten

Nachdem wir also noch an einigen Ständen vorbei geschlendert waren, dessen Besitzer sich nach einiger Zeit doch noch entschlossen hatten ihr Geschäft zu öffnen, wagten wir uns nach einer kleinen Pause auf den Zentralmarkt.

4Zwischen Markt und Palmen

Zwischen Markt und Palmen

Der Zentralmarkt. Wie soll ich meine Eindrücke da am Besten beschreiben? Zunächst einmal: Er ist unheimlich groß, 10ha Fläche, ca. soviel wie 14 Fußballfelder. Er ist eine kleine Stadt ganz für sich. Er ist laut. Er ist eng. Er ist vielfältig und bunt. Er ist belebt und geschäftig. Er erschien mir wie ein riesiges Gassenlabyrinth, in dass ich hineingepurzelt war, ohne recht zu wissen wie. Und doch ist dieses Chaos einer gewissen Ordnung unterworfen, denn der Markt ist unterteilt in verschiedene Überbegriffe: Altkleider, Lebensmittel, Textilien, Töpferwaren und Geflügel, Metallwaren, Hauhalts- und Gemischtwaren, Schneiderviertel. Das Schlagwort, welches uns besonders anlockte war Textilien und das Schneiderviertel, sodass wir zunächst nach dem Eingang zu diesem Ausschau hielten. Einfacher gesagt als letztendlich getan. Doch nachdem wir an verschiedenen Lebensmittelständen und einem Platz voller Yamwurzeln (zu vergleichen mit Kartoffeln, allerdings viel riesiger) vorbeigekommen waren, lachten uns die bunten Stoffe schließlich entgegen. Was für ein Fest und was für eine Qual. So viel bunte Vielfalt und doch die Notwendigkeit einer Entscheidung, welcher Stoff denn nun tatsächlich der Schönste ist. Diese jedoch konnte natürlich nicht sofort getroffen werden, sondern wurde auf den nächsten Tag verschoben.

6Wie soll ich da eine Entscheidung treffen können?  5Eine Händlerin zwischen ihrem stolzen Angebot

Dieser nächste Tag begann zwar leicht bedeckt, aber gemütlich mit einem Frühstückspicknick unter einem Baum auf dem Gelände unserer Unterkunft. Derartig gestärkt machten wir uns also erneut auf den Weg zum Zentralmarkt. Bevor wir dort allerdings ankamen machte uns Charlottes Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, so dass wir noch einmal zurück zum Guesthouse gingen, damit sie sich etwas hinlegen konnte. Während der Wartezeit, die so für mich entstand, beschloss ich eine kleine Runde zu drehen und als ich um die Ecke des Hauses bog, sah ich dort eine Frau sitzen, die im Hof auf einer Feuerstelle kochte. Nachdem ich mich mit ihr ein wenig unterhalten hatte, half ich ihr auch schon beim kochen von Banku und Ockrosuppe und erfuhr das sie, Gladis, aus einem Ort in der Nähe von Kumasi stamme und in die Stadt gekommen sei, um hier zu arbeiten. Später traf ich dann auch noch ihre Mutter, die nun ebenfalls in Kumasi wohnt.

7Kochunterricht nach ghanaischer Art

Kochunterricht nach ghanaischer Art

Dies war eine schöne Begegnung und ich habe mich darüber gefreut, wie sich ungünstige Situation manchmal in ein komplettes Gegenteil verwandeln können. Als Charlotte wieder auf den Beinen war machten wir uns dann also auf den Weg zum Zentralmarkt, nicht ohne zuvor von Gladis und ihrer Mutter zum Essen eingeladen worden zu sein.

An diesem Tag, einem Sonntag, war der Markt deutlich unbelebter. Im ersten Moment war ich darüber ein wenig enttäuscht, denn viele der Stoffstände waren verlassen und so schien die Auswahl sehr viel kleiner geworden. Doch als wir uns von dem Hauptweg hinunterwagten stellten wir fest, dass auf den Nebenwegen viele Händler geöffnet hatten und so kamen wir doch noch in den Genuss einer unbegrenzten Auswahl. Nachdem ich mir meinen ersten Stoff ausgesucht hatte war es beinahe schwer wieder aufzuhören und ich kam nicht umhin mir noch einen weiteren und außerdem noch einige Stoffreste zu kaufen.

 

Nach diesem erfolgreichen Einkauf schlenderten wir noch etwas über den Markt und bekamen noch allerlei zusehen. Nach den Töpferwaren, die wir uns ebenfalls noch gerne angeschaut hätten, hielten wir jedoch vergebens Ausschau.

Schließlich gönnten wir uns eine wohlverdiente Pause mit Maiskolben und Apfel und machten uns wenig später noch einmal auf den Weg zum Kulturzentrum, um unser Glück zu versuchen und zu schauen, ob an diesem Tag nicht doch noch einige andere Stände und Handwerker geöffnet hatten. Weit gefehlt. Denn obwohl wir zunächst dachten es sei um einiges mehr los, merkten wir schon bald, dass dies wohl nur an einer Hochzeit lag, die auf dem Gelände stattgefunden hatte. So befanden wir uns schon bald wieder auf unserem Rückweg zum Hostel, um uns dort zeitig hinzulegen, denn am nächsten Morgen galt es früh aufzustehen, um schon einen der ersten Busse nach Tamale zurückzunehmen.

Hatten wir bei unserer Ankunft am Busbahnhof um 4 Uhr morgens noch gehofft bald losfahren zu können, so verflog diese Hoffnung schon bald. Doch 2 Stunden später setzte sich der bequeme Reisebus schließlich in Bewegung und unsere Ziel rückte näher. Das jedoch nur für eine klägliche Stunde. Wir hatten die Vororte von Kumasi noch nicht ganz hinter uns gelassen, da blieb unser Bus bereits liegen. Doch anstatt nun einen neuen Bus anzufordern, wurde erst einmal eifrig probiert das Problem selbst zu beheben. Jedoch ohne jeglichen Erfolg. Nach zwei Stunden ungeduldigen Wartens kam dann schließlich doch noch ein neuer Bus angezuckelt und nachdem Passagiere und Fracht neu verladen waren, ging es nun endgültig in Richtung Tamale. 5 Stunden später hatten wir unser vorläufiges Ziel dann endlich erreicht. Dieses jedoch lag unter einer dicken Wolkendecke begraben und kaum, dass wir ausstiegen begann es in Strömen zu regnen. Doch bevor wir das nächste Trotro nach Nalerigu nehmen konnten, hieß es noch zum Immigration Service zu fahren, denn: unsere Visa waren endlich fertig! Nach einem endlosen hin und her mit fehlenden Dokumenten unserer Einsatzstelle und dauernden Fahrten nach Tamale war das eine echte Erleichterung und machte die Strapazen der letzten Stunden wett. Doch noch konnten wir uns nicht in diesem Glücksgefühl ausruhen, denn als wir um 4 Uhr schließlich wieder an der Trotrostation ankamen, war der Bus, der in wenigen Minuten abfahren sollte um einen Platz zu voll, hatte also bloß noch einen Platz frei. So ein Pech. Nun also hieß es wieder einmal sich in Geduld zu üben, denn wir bekamen zwar gute Plätze in dem neuen,allerdings aber auch leeren Trotro. Da diese erst abfahren, wenn alle Plätze verkauft sind, setzten wir uns erst 3 Stunden später in Bewegung. Um halb zwölf kamen wir schließlich gerädert und todmüde, aber auch hungrig von der langen Reise wieder in Nalerigu an. Erschöpft aßen wir noch in Gesellschaft unserer Gastmutter, die auf unsere Ankunft gewartet hatte und schließlich fiel ich in einen tiefen, traumlosen, doch unendlich zufriedenen Schlaf.

Diese vier Tage waren wahrlich abenteuerlich und bis oben hin gefüllt mit neuen Eindrücken. Jedem der jemals nach Ghana kommt, kann ich nur empfehlen Kumasi einen Besuch abzustatten! Die Strapazen einer Reise dorthin lohnen sich auf alle Fälle! Ich für meinen Teil, werde in diesem Jahr wohl nicht widerstehen können, diese Stadt einmal wieder zu sehen.